Die benierkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 127
Johann Ziska, edler Ritter von Trocznow. — und nach dessen Tode(1424) unter den in seiner Schule gebildeten Feldherrn Prokop u. A.— , für ihren Glauben und ihre Selbstständigkeit mit solcher Energie,Kunst und Erfolg, aber auch Grausamkeit auf, dass sie schliesslich dieKirche und das Reich zwangen sich mit ihnen auszusöhnen. Deshalbgehören die Hussitenkriege zu den interessantesten, aber auch grausam-sten jener Periode, — und die Kunst, mit welcher sie geführt wurden,sowie die Erfolge derselben waren vorzugsweise Ziska's Verdienst, undseiner Schüler, nachdem er gestorben war. Wenden wir uns zunächst zuden Kriegen unter Ziska (oder Zizka).
Ganz zu Anfang, gleich nach Huss' Tode, begannen von Seiten derHussiten und ihrer Gegner in Böhmen und auf dem Kostnitzer Conzildie Feindseligkeiten, zunächst nicht mit Waffengewalt, aber durch alleArten von Gewaltthätigkeitcn, — seitens der Hussiten durch Verfolgungender Katholiken, ihrer Kirchen, Klöster und Besitzthümer, — seitens desConzils durch Verbrennung von Huss' eifrigstem Anhänger: Hierony-mu s von Prag, sowie durch verschiedene strenge kirchliche Maassregeln.Während dessen trat sowohl in der Mitte des Conzils selbst, wie in Böhmenund Mähren die Spaltung ein: für oder wider die Reform. Der Königvon Böhmen selber, Wenzeslaw, mit seiner Gemahlin und seinem Hofetrat auf die Seite des Volkes; als aber sein Bruder S i g i s m u n d ihn mitWaffengewalt zu bedrohen anfing, gab er dessen Forderungen zu Gunstendes Conzils nach. Die hiermit unzufriedenen Hussiten begannen zu ihrenGottesdiensten sich auf Bergen zu versammeln, welchen sie biblischeNamen beilegten (Tabor, Horeb u. s. w.). An der Spitze der hussitischenVolksbewegung stand der Priestermönch Jan aus Sheliw, und der LaieNico laus aus Hussinetz, der Heimath Huss'. Der Zweite von diesenging, von Wenzeslaw aus Prag verwiesen, in den Bjechiner Bezirk,sammelte am 22. Juni 1419 bei Bjechin auf dem Tabor genannten Berge42000 bewaffnete Hussiten aus Böhmen und Mähren, und begann Maass-regem zu ergreifen zum Schutze des hussitischen Glaubens. Jan vonSheliw aber führte in Prag eine geistliche Prozession zum Rathhause inder Neustadt und forderte die Freilassung der eingekerkerten Hussiten.Als dies verweigert wurde, drang das von Ziska geführte Volk in dasRathhaus ein und stürzte 10 daselbst befindliche Rathsherren aus demFenster. Wenzeslaw, welcher sich grade in seinem Landhause beiPrag aufhielt, ergrimmte so über diese Nachricht, dass er bald danachan einem Schlagfluss starb (16. August 1419). Nun begann man seitensdes Volkes in Prag und andern Städten heftige Verfolgungen der Katho-liken, und der bisherige Reichstag bat Wenzeslaw's Nachfolger, Sigis-mund, sein Eintreffen zu beschleunigen. Dieser aber, in Ungarn mitdem Kriege gegen die Türken beschäftigt, ernannte bis zu seinem Ein-