120 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Vaterlande beseelt, von einem Gedanken — Bewahrung ihrer Unabhän-gigkeit getrieben, bildeten ein solide organisirtes und vortreffliches Volks-heer. Reiterei zu halten war ihnen weder möglich noch nothwendig, siefochten zu Fuss und leicht bewaffnet, und zudem in ihrem eigenen Lande,das ihnen genau bekannt war. Im Besitze aller Vorzüge der Einheit desZieles, der Triebfedern und der Macht, handelten sie in Uebereinstim-mung, kühn und entschlossen. Dies Alles gab ihnen in einem Volks-,Gebirgs- und Vertheidigungskriege bedeutende Vortheile über die Oester-reicher in die Hand, und erklärte die beständigen Erfolge der kleinenschweizerischen Schaaren über die an Zahl weit überlegenen Truppenihrer Gegner.
In Bezug aber auf Art und Kunst der Kriegführung bietet der Kriegder Schweizer gegen die Oesterreicher wenig Interesse. Der Krieg warwie gesagt, ein Volks-und Gebirgskrieg, defensiv in politischer, aberoffensiv in militärischer Hinsicht von Seiten der Schweizer, umgekehrtauf Seiten der Oesterreicher. Wie jeder Krieg im Gebirge, wurde er mitziemlich zersplitterten Kräften, mit vielen getrennten Corps in verschie-denen Theilen des Landes geführt, demzufolge eine Menge vereinzelterAktionen entstehen, welche zum Theil den Charakter von Streifzügentragen, oft durch Belagerungen von Städten und festen Burgen unter-brochen werden, seltener aber Schlachten aufweisen, welche mehr oderweniger hartnäckig und entscheidend sind, aber fast immer mit dem Siegeder Schweizer enden.
Aus diesem Grunde ist eine Darstellung des ganzen Ganges dieserKriege in historischer Ordnung hier überflüssig. Um aber einen Begriffvon dem Charakter dieser Kriege und der Art wie sie geführt wurden zugeben, wird es genügen einige interessantere Kriegsaktionen herauszu-heben, z. B. von 1315, 1339, 1386, 1388 und 1444, — die berühmt sinddurch die wichtigen und glänzenden Siege der Schweizer bei Moorgarten,Laupen, Sempach und Näfels.
§. 123.
Krieg des Jahres 1315.
Nach dem Tode Kaiser Heinrich's VII. aus dem Hause Luxem-burg (1310) hatte die Schweiz sich, wie Deutschland, getheilt zwischenL u d w i g von Bayern und F r ie d r i c h von Oesterreich (Sohn Alb recht'sund Enkel Rudolph's von Habsburg), welche Beide gleichzeitig zumKaiser erwählt wurden. Der grössere Theil der Schweizer nahm Parteifür Ersteren, der kleinere für Letzteren. Diesen Umstand benutzend,beschlossen die Oesterreicher die verbündeten Cantons mit Gewalt der