116 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
§. 120.Letzte Feldzüge Bduard's III. in Frankreich (1369—76).
Johann's II. Sohn Karl V. erfüllte die Bedingungen des Friedensvon Bretigny nicht, nahm die unzufriedenen Bewohner von Guyenne inseinen Schutz und Hess 1368 seine Truppen in englisches Gehiet ein-rücken. Der Krieg enthrannte von Neuem und wurde his 1376 mit Erfolgfür die Franzosen und zum Nachtheil der Engländer geführt, in Folgeder von den Einen und Andern adoptirten Art der Kriegführung. DieEngländer durchzogen unaufhörlich Frankreich von einem Ende zumandern nach allen Bichtungen, verheerten das Land, konnten sich abernirgends behaupten und verloren nach und nach ihre eigenen Besitzungenin Frankreich. Die Franzosen dagegen, der von ihnen seit 1359 ange-nommenen Art der Kriegführung getreu, wichen dem Kampfe aus, führ-ten den kleinen Krieg und setzten sich allmählich in den den Engländerngehörenden Städten und Provinzen fest. So verblieben i. J. 1375 nurnoch Bordeaux, Bayonne und Calais im Besitze der Engländer. Dasführte schliesslich zum Abschluss eines Waffenstillstandes zwischen Eng-land und Frankreich i. J. 1376.
Im folgenden Jahre starben sowohl Eduard wie der schwarze Prinz.
§• 121.
Feldzüge Heinrieh's V., Königs von England, in Frankreich
(1415—22).
Durch den unaufhörlichen Krieg erschöpft und verwüstet, befandsich Frankreich in äusserst trauriger Lage, als i. J. 1413 der kriegeri-sche Heinrich V. den Thron von England bestieg und von Frankreichdie Erfüllung der Bedingungen des Friedens von Bretigny, Abtretungaller dem Johann ohne Land entrissenen Provinzen, Bezahlung von1600000 Thalern Schulden u. s. w., ausserdem aber die Hand derPrinzessin Katharina, Tochter des französischen Königs Karl VI.forderte. Während darüber von beiden Seiten die Unterhandlungen .ge-pflogen wurden, rüstete Heinrich V. energisch zum Kriege. Nachdemer in Southampton ein Heer versammelt hatte, landete er (14. August1415) zwischen Harfleur und Honfleur in der Seine-Mündung mit 6000lüttem, 24000 Schützen und grossen Proviantvorräthen und belagerteHarfleur.
Frankreich war fast ganz ohne Schutz, der Schatz erschöpft, dasVolk ausgesogen, bedrückt und missvergnügt, das Heer zerstreut, undes zu fuhren kein geschickter und erfahrener Feldherr da. Der überbe-