Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge diesevJPeriode. 115
§. 119.
7. Feldzug Eduard's III. in Frankreich (1359—GO).
Die für Frankreich drückenden und schimpflichen Bedingungen,welche Eduard für die Freilassung Johann's aus der Gefangenschaftstellte, wurden von dem französischen Parlamente verworfen und gabenAnlass zur Erneuerung des Krieges. Ende September 1359 landeteEduard III. in Calais mit einem Heere, dessen Stärke sich auf etwa100000 Mann belief, und rückte gegen Reims, um sich dort die königlicheKrone von Frankreich aufs Haupt zu setzen. Da das Land an seinemWege sehr ausgesogen war, so traf er, um einem Mangel an Lebens-mitteln vorzubeugen, Anordnungen, dass 6000 Fahrzeuge mit Vorräthendem Heere folgen sollten. Die Franzosen, durch die Erfahrung klug ge-macht, änderten die Art der Kriegführung gegen die Engländer. Dengrössten Theil ihrer Truppen legten sie in die Städte, mit den übrigenvermieden sie den Kampf im offenen Felde, führten lebhaft den kleinenKrieg, umringten und bedrängten die Engländer von allen Seiten, beun-ruhigten sie durch häufige Angriffe, erschwerten ihren Marsch und dieVerpflegung, und machten sie in Abtheilungen nieder. Dadurch ermüde-ten und schwächten sie sie derartig, dass Edirard, nachdem er mitMühe Reims erreicht und 7 Wochen ohne Erfolg davor gelegen hatte,sich zur Aufhebung der Belagerung gezwungen sah (Ende Januar 1360)und durch die Champagne nach Burgund ging, wo er mehrere Städte inseinen Besitz brachte und den Truppen Ruhe gab. Von da zog er dieSeine hinab nach Paris; da es ihm aber nicht gelang, das französischeHeer daselbst heraus zu locken und zur Schlacht zu bewegen, so war erendlich durch Mangel an Proviant und die Erschöpfung und Desorgani-sation seines Heeres genöthigt, sich zur Bretagne zu wenden. Der Zugin diese Provinz steigerte die Leiden des englischen Heeres aufs Aeus-serste. Beide Theile wünschten gleichermaassen den Frieden, und die zudiesem Zwecke eröffneten Unterhandlungen führten endlich zu dem in'Bretigny bei Chartres (am 8. Mai 1360) abgeschlossenen sogenanntenewigen Frieden zwischen England und Frankreich. Eduard III.entsagte seinen Rechten auf den französischen Thron, wofür ihm Guyenne,viele Südprovinzen von Frankreich, und im Norden Calais nebst Umkreisund einige Bezirke abgetreten wurden. König Johann kaufte sich umdie Summe von 3 Millionen Groldthalern (ecus) aus der Gefangenschaftlos. Somit war Frankreich getheilt zwischen die Könige von Eng-land und Frankreich, und der Frieden trug den Keim zu neuem Kriegein sich.