Die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 117
fehl wurde dem connetable D'Albret übertragen, welcher bald seinegänzliche Unfähigkeit erwies, gegenüber so schwierigen Verhältnissen.
Die Belagerung von Harfleur hielt die Engländer 5 Wochen vor die-ser Stadt auf und schwächte sie schon erheblich. Nachdem es genommenund mit Engländern bevölkert war, zog Heinrich V., ähnlich wieEduard III. im Feldzuge von 1346 durch die Normandie in die Picardieund Artois, um in Calais zu überwintern und von da bei anbrechendemFrühling die Kriegsoperationen zu beginnen. Bis zur Stadt Eu zog erungehindert die Seeküste entlang. Von Eu wandte er sich rechts, in derAbsicht, die Somme bei Blanchetague zu überschreiten. Inzwischen wares gelungen, in der Norniandie unter der Führung des Dauphins und desconnetable D'Albret 6000 Ritter und 40000 Mann Fussvolk zusammenzu bringen. Sie umgaben das Heer Heini ch's V. und eröffneten denkleinen Krieg gegen ihn. dem allgemeinen Kampfe immer sich entzieh-end. In fortwährenden Scharmützeln mit ihnen erreichte Heinrich V.mit Mühe die Furt von Blanchetague, fand, dass am andern Ufer einstarkes Corps Reiterei und Schützen zu ihrer Vertheidigung bereit stand,und ging nun am linken Somme-Ufer stromauf, um einen Uebergang zusuchen. Der Dauphin und connetable DAlbret folgten seiner Beweg-ung auf dem rechten Ufer. Heinrich fand überall die Brücken zerstört,die Furten besetzt, versuchte bei St. Remy und Pont-Eau-de-Mer überzu-gehen, wurde aber abgewiesen. Endlich am 19. Oktober gelang es ihm,die Somme in der Furt bei Bayenne und Betancourt zu passiren, etwasoberhalb St. Quentin, wo beide Furten, in Folge Nachlässigkeit der Com-munaltruppen von St. Quentin, unbesetzt waren. In Folge dessen zogdas französische Heer sich nach Bapaume an der Strasse nach Calaiszurück. Erbosst darüber, dass die Engländer durch Ueberschreitung derSomme dem ihnen drohenden Verderben entronnen waren, verliessen dieFranzosen das bis dahin so weise innegehaltene Verfahren und beschlossenden Engländern eine allgemeine Schlacht zu liefern; und davon benach-richtigten sie nicht nur die Engländer, sondern Hessen sogar Heinrichnoch fragen, welchen Weg er nach Calais einzuschlagen gedenke. DieAntwort lautete: »Den geradesten und kürzesten«. Dennoch aber, weitentfernt von Harfleur, im Rücken hinter sich die Somme, vor sich die vier-fach überlegene Macht des Feindes, welchem er nur 2000 Mann Reiterei und12000 Mann Fussvolk entgegenstellen konnte, fühlte Heinrich gewiss dieGefahr seiner Lage und machte den Franzosen günstige Friedensanerbiet-ungen. Hierdurch noch mehr aufgeblasen, verwarfen die Franzosen jeg-liche Unterhandlung mit den Engländern, und rüsteten sich zum Kampfe,trafen aber höchst unkluge Maassregeln dazu, welche sogar verderblicheFolgen herbeiführten. Sie bestimmten, dass weder der König noch seine3 Söhne sich bei dem Heere befinden dürfen, welches dem Oberbefehl des