Die bemerkenswertesten Kriege und Feldzüge dieser Periode. 113
sehen war das Wasser in Folge der Meerflut wieder gestiegen. Philippinusste auf Abbeville gehen und machte dort 24 Stunden Rast, um seineTruppen zu sammeln; dadurch erhielten Eduard's Truppen Zeit sichauszuruhen und zum Kampfe zu rüsten, und ihm seihst ward es möglichdie dazu erforderlichen Anordnungen zu treffen. Am 23. August 1346rückte Philipp auf Crecy; er war etwa 60—70000 Mann stark (8000 Rit-ter, ca. 25000 Mann Reiterei, und etwa 40000 Mann Fussvolk, — nochAndere sagen 100000 Mann). Das französische Heer marschirte undmachte den Angriff auf die Engländer in der grässlichsten Unordnung,wurde mehrmals abgeschlagen und endlich vollkommen besiegt, miteinem Verluste von 35000 Todten, worunter eine grosse Zahl der vor-nehmsten Edelleute und Ritter. Die Ueberbleibsel und mit diesen Phi-lipp selbst flohen nach Amiens. Die Engländer verfolgten sie nicht, amTage nach der Schlacht aber zersprengten sie noch vereinzelte grosseHaufen von Communal- und städtischen Truppen, welche dem französi-schen Heere zuziehen wollten und von dessen Niederlage noch Nichtswussten. Dieses Aufreiben wurde wesentlich begünstigt — zuerst durcheinen dichten Nebel, dann durch eine von den Engländern angewendeteList: sie pflanzten auf den Anhöhen die eroberten französischen Bannerauf und legten sich dicht dabei ins Versteck; die französischen Haufenzogen zu ihren Bannern heran und wurden nun ohne Mühe vereinzeltaufgerieben. Solchergestalt ward am Tage nach der Schlacht denFranzosen ein noch weit grösserer Verlust, als in dem Treffen selbstzugefügt.
Nachdem er die Franzosen bei Crecy geschlagen uud erfahren hatte,dass die in Guyenne operirende französische Hauptmacht sich nach Nor-den wende, ging Eduard nach Calais, schloss es Anfangs Septemberzu Lande und zur See ein und schritt zur Belagerung.
Dieser Sieg Eduard's bei Crecy, der Abmarsch der französischenHauptkräfte aus Guyenne nach Norden, und der ihnen nachfolgendenenglischen Truppen über die Garonne in die Grenzgebiete von Frankreich,die sie verwüsteten, die Erfolge endlich der Engländer über die Schotten,das Alles gab Eduard in dem Kriege mit Frankreich das entschiedeneUebergewicht. Calais aber behauptete sich mehrere Jahre und ergabsich (28. September 1347) erst dann, als alle Anstrengungen Philipp'szur Befreiung vergeblich blieben, die Besatzung und die Einwohner aberdurch Hunger, Krankheit und Sterblichkeit aufs Aeusserste getriebenwaren.
Darauf wurde ein Waffenstillstand geschlossen, welcher in der Folgebis zum Jahre 1350 verlängert wurde.
Galitzin, JUlgem. Kriegsgeschichte 11. 2. 8