106 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Hälfte aus Cavallerie und Infanterie bestehen sollten. Schwere Reitereigab es nur wenig, nur in den oberen Comitaten; weit zahlreicher wardie leichte.
Vielen Veränderungen war zu dieser Zeit auch das wichtigste Amtder Banus von Dalmatien, Kroatien und Slavonien unterworfen, welcheals Statthalter der Könige gesetzt waren und sich Herzöge dieser Pro-vinzen nannten. Jede dieser Provinzen hatte ihren Banus, gewöhnlichaber waren sie unter der Macht nur eines einzigen zusammengestellt.Der Ban war der oberste Regent des Landes, seine wichtigste Pflicht diekriegerische der Vertheidigung der Grenzen gegen die Türken. NachdemLetztere im 16. Jahrhundert den grössten Theil der Banate (Landesge-biete) erobert hatten, war die Bezeichnung Banus der windischen(oder wendischen) Lande nur noch nominell, in den Bürgerkriegenaber zwischen Ferdinand I. und Zapolya um die Nachfolge auf demThron von Ungarn erlosch sie gänzlich, und erst unter Rudolph II.i. J. 1608 wurde sie durch ein Gesetz wieder in ihrer alten Bedeutunghergestellt.
Der Eifer in Erfüllung der militärischen Pflichten, welchen Ungarnnach der Schlacht bei Mohacz und überhaupt unter Ferdinand I. anden Tag gelegt hatte, erlahmte sehr bald wieder, so dass in den Jahren1569, 1578 und 1609 verschiedene erläuternde und selbst Zwangsmaass-regeln zur Erfüllung dieser Pflichten getroffen werden mussten. Hin-sichtlich des persönlichen Dienstes dabei suchte man die früheren strengenVorschriften wieder der Vergessenheit zu entreissen; trotzdem aberkamen sie mehr und mehr ausser Gebrauch und wurden durch Geldcon- 'tributionen ersetzt. Die alten Banderien existirten nur noch dem Namennach, umschlossen häufig nicht mehr als 10 bis 12 Mann. Sie schmolzendeshalb auch immer mehr zusammen, und die Türken machten ihnenüberall, wohin sie ihre Waffen trugen und ihre Macht ausdehnten, einEnde; schliesslich verschwanden die Banderien gänzlich.
Bei der Besitznahme der ungarischen Länder durch die Türken wur-den die sich in denselben bildenden irregulären Truppen, — entwederim Dienste einiger ungarischen Magnaten gewesene, oder zur Vertheidi-gung der Grenzen verwendete Mannschaften—, Haiduken (Fusstraban-ten) genannt. Denselben Namen legte man allmählich dem gesammtenFussvolke bei. Die Haiduken der späteren Zeit gingen aus solchen Krie-gern hervor, welchen der Fürst von Siebenbürgen, Stephan Bocskay,für ihre treuen Kriegsdienste i. J. 1605 den Adelstitel verliehen und dieer da angesiedelt hatte, wo sie noch jetzt leben, und wo sich mit ihnendie Bewohner der Stadt Szoboszlö vereinigten. Sie waren frei von Ab-gaben, aber zu allen Kriegspflichten verbunden.
Kleidung und Bewaffnung der ungarischen Truppen im 16. Jahr-