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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 103

Weise die Eigenschaften und Tüchtigkeit eines stehenden Heeres be-sitzen. Deshalb beschloss Matthias Corvinus, unabhängig von demländlichen Aufgebot, eine Art stehenden Heeres zu bilden, welches ledig-lich zu seiner alleinigen Verfügung und stark genug sein sollte, um nichtdas ländliche Aufgebot zu seiner Unterstützung anrufen zu brauchen.Und das führte er um so erfolgreicher durch, da er die Macht diesesstehenden Heeres mehr auf Fussvolk als auf Reiterei basirte. Diesessein stehendes, immer zu Marsch und Kampf bereites Heer bestand ausCompagnien (Rotten) schwerer und leichter Reiterei, aus leichtbewaff-neten Pikeniren und schwerbewaffneten Kriegern mit Schilden und andernmit Arkebusen. Jeder dieser Truppengattungen war eine besondereKampfart in der Schlacht vorgeschrieben: der schweren Reiterei, aufdem vorgeschriebenen Punkte fest zu stehen und ihn auf Tod und Lebenzu vertheidigen; der leichten, frei, den Umständen entsprechend, umher-zuschweifen ; den mit Schilden und Feuerrohren Bewaffneten, die Pike-nire zu umringen, sie durch die aneinandergeschlossenen Schilde zudecken,- und auf das gegebene Zeichen sie nach vorn durchzulassen; denPikeniren aber, von den Schildträgern, Schützen und der Reiterei unterstützt, den ungestümen, mächtigen und entscheidenden Angriff und Stossauszuführen. In allen diesen geschlossenen Aktionen übte MatthiasCorvinus die bezeichneten Waffengattungen beständig und brachte siedarin zu hoher Vollkommenheit. Dieses ständige ungarische Heer, ge-wöhnlich aus 20000 Mann Reiterei, 8000 Mann Fussvolk und 9000 Kriegs-wagen (ungerechnet die verschiedenen Trossbuben, Meister, Arbeiteru. s.w.) zusammengesetzt, wurde durch Matthias Corvinus noch um6000 Mann fremder Truppen vermehrt, grösstentheils Czechen, Morawenund Serben, welche unter der Benennung der »schwarzen Bande« (wahr-scheinlich nach der Farbe ihrer Panzer) den Kern und die Hauptmachtseines stehenden Heeres ausmachten. Er ergänzte diese Bande vorzugs-weise durch Leute aus den tapfersten und in Schlachten erprobten czechi-schen Banden, von denen oben die Rede war (§. 113). Die schwarzeBande bestand zum Theil auch aus Cavallerie, grösstentheils aberaus Fussvolk, schwerem und leichtem, und Letzteres vorzugsweise ausSchützen.

Der Unterhalt dieses stehenden Heeres, besonders der Miethlinge,war sehr kostspielig, 1060000 Dukaten das Jahr, der schwarzenBande allein 100000 Dukaten in 3 Monaten, was die Einkünfte des Königsweit überstieg, und erheischte unabweisbar Geld- und andere Beihülfenvon den Landständen.

Während in Ungarn der Adel nicht verpflichtet war zum Kriege überdie Grenze zu gehen, höchstens einmal unter der persönlichen Anführungdes Königs und Zahlung von Gehalt, legte hingegen der Reichstag 1366