Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 97
das die Füsse der dahinter Stehenden gegen Schüsse und Lanzensticheschützte.
Wie Aeneas Sylvius es beschreibt, bildete, wenn es zum Kampfekam, Z i ska aus den Wagen mit den Kriegern darauf 2 Flügel, zwischendenen sich das Heer formirte, die leichten Heiter schickte er aus derWagenburg auf die Flanken. Auf das Signal zum Kampfe führten dieAnführer der Wagen vorher bestimmte und ihnen bekannte Evolutionenaus und bildeten verschiedene Figuren oder Buchstaben (siehe oben) undGassen, in deren Labyrinthe der Feind sich wie in einem Netze ver-wickelte. Wenn er auf diese Weise in Unordnung und auseinander ge-rathen war, so wurde er durch das Fussvolk mit Schwertern und Flegelnniedergeschlagen oder von dem Wagen aus durch Schüsse getödtet.»Solchergestalt konnte (sagt Aeneas Sylvius) das Heer Ziska's einemUngeheuer mit vielen Armen verglichen werden, welches mit diesen un-erwartet und schnell seine Beute umfasste, erdrückte, zermalmte undverschlang. Und wenn es Einzelnen gelang aus dem Labyrinth der Wagenzu brechen, so fielen sie in die Hände der Heiter ausserhalb der Wagen-burg und wurden von diesen niedergemacht. Wurden diese Eeiter voneinem an Zahl überlegenen Gegner bedroht, so zogen sie sich schleunigstin die Gassen der Wagenburg zurück.«
In den Reihen der Hussiten kämpften nicht allein Czechen, sondernauch Fremde, Polen, Galizier, und Andere, zura Theil aus Beutegier, zumTheil um die Art der hussitischen Kampfbewegungen und Methodenkennen zu lernen. Unter den Hussiten selbst waren solche, die sich niewieder vom Kriegshandwerk trennen mochten. So bildeten sich schonzu Ziska's Lebzeiten, ganz besonders aber nach seinem Tode viele ab-gesonderte , freie Kriegsgemeinden, welche nur ihren eigenen Statutenund Führern gehorchten und sich von Räuberbanden nur dadurch unter-schieden , dass sie sich nicht verbargen, sondern vielmehr rühmten Be-schützer »des Glaubens und Rechtes« zu sein. Kaiser Sigismund konntesie nicht anders unschädlich machen, als indem er sie in Sold [nahm undnach Ungarn gegen die Türken schickte. Ausserdem aber wurden dieseböhmischen freien Kriegsgemeinden auch nach Deutschland, Polen, Russ-land gerufen, und bald (in der 2. Hälfte des 15. und im 16. Jahrhundert)gab es in ganz Mittel- und Ost-Europa keinen Krieg, an welchem nichtCzechen in grösserer oder geringerer Zahl, bisweilen auf beiden Seiten,als Söldnermiethlinge unter ihren eigenen Anführern, nach Art der italiä-nischen condottieri theilgenommen hätten. Am meisten bekannt undfurchtbar machten sich die czechischen Kriegsgemeinden, welche sichBrüder (bratzy) nannten, vom Feinde aber Bettler (Zebraki) oderBuben (Rebjati) genannt wurden, und im Laufe der Zeit in Europa eineähnliche Bedeutung erlangten, wie die condottieri in Italien, oder die
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 7