98 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Armagnac's in Frankreich, nur mit dem Unterschiede, dass sie eine voll-kommene demokratische Verfassung hatten. Die Grundlage war reinczechisch, alttahoritisch, die Zusammensetzung der Gemeinden aber ausGesindel verschiedenster Nationalität, das für Geld von wem es auch seidas Kriegshandwerk betrieb. Ein Kriegsbund dieser Art bildete sichanfänglich (um 1488) in Ungarn und erlangte eine politische Bedeutungseit dem Jahre 1453, als der berühmte czechische Bandenführer Jiskraaus Brandeis sie entlassen hatte, und sie, sich an die Bratzy an-schliessend, in dem czechischen Edelmann Peter Axamit aus Lidero-witz einen kühnen und unternehmenden Anführer fanden. Diese Brüder-schaft diente später auch dem Hunyad und den kaiserlichen BrüdernFriedrich III. und Albrecht in ihrem Bürgerkriege. Noch späterhatte sie nicht nur einen Oberanführer, sondern mehrere Unterfeldherren,von denen an 30 bekannt sind, und welche alle an Bang und Bechteueinander gleich gestellt gewesen scheinen. Ihre Banden waren überOesterreich, Mähren, Ungarn, Schlesien, Polen und Preussen verbreitet,alle aber waren verpflichtet, sich gegenseitig zu unterstützen. Ihre innereVerfassung war damals unzweifelhaft schon eine oligarchische, unterder Herrschaft ihrer Aeltesten und Kriegsanführer.
Ausserdem versorgte Böhmen die fremden Länder auch mit einerMenge czechischer Söldner. Der Herrscher von Ungarn Johann Hun-yad hatte eigene czechische Banden, denen er sehr traute, und die inder Folge berühmte schwarze Legion des Kaisers Matthias be-stand fast ausschliesslich aus Czechen, Mähren und Serben. Aventin(Annales Bojorum) führt unter den Söldnerschaaren deutscher Lands-knechte und schweizerischer Truppen auch czechische auf, welche Schilde,Musketen und grosse Schwerter (sarissas) führten: unermüdlich beimBau von Lager, Wällen, Gräben, Schanzen, und berühmt wegen stand-haften Aushaltens von Belagerungen.
Bei dieser Ungeheuern Zahl von freiwillig das Kriegshandwerk Be-treibenden musste natürlich der alte Lehnsdienst in Böhmen mehr undmehr in Vergessenheit gerathen.-
Das ganze damalige Kriegswesen in Böhmen in seinem Zusammen-hange wurde {wahrscheinlich kurz nach 1490) in eine besondere Hand-schrift für den König Wladislaw V. (1471 — 1516) und zur Nachachtungbei Formation von Fussvolk und Reiterei zusammengestellt durch denberühmten Unterführer der czechischen Brüderschaft WenzeslawWlcekaus Zenow. In diesem Werke ist das ganze System Ziska's in kriegs-wissenschaftlicher Form dargestellt, mit einigen hauptsächlichsten imKriege gegen die Türken vorgenommenen Abänderungen. Die Besonder-heit dieses Systems liegt darin, dass die Truppenabtheilungen eine sehrschmale Front und weit grössere Tiefe hatten (bei dem Fussvolk die