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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfasaung und Kriegskunst im Besonderen. . 9 1

In Bezug auf die Kriegsorganisation von Oesterreich bleibt noch zubemerken: 1) dass die österreichischen Regenten ihre Leibgarde hatten,welche zum Theil aus Trabanten, zum Theil aus Hartschiren be-stand (archers, archeti, arcieri, von arc = Bogen). Die Ersteren warenzu Fuss, die Letzteren seit 1535 zu Pferde, ihre Obliegenheiten die näm-lichen (bei der Person des Herrschers, und dessen ältestem Sohne; beiden übrigen Prinzen nur Trabanten) und 2) dass in Oesterreich derBrauch herrschte, zu Kriegszeiten beim Beginn jedes Feldzuges eineNormalschlachtordnung für die gegen den Feind agirende Armee auf Zeitanzunehmen. Einen Begriff davon, wie in solchen Schlachtordnungendie Truppen der verschiedenen Waffengattungen vertheilt waren, kanndie Aufstellung zur Bataille oder die Schlachtordnung der Armee desPrinz Philipp Emanuel von Lothringen geben, im Feldzug von 1600in Ungarn gegen die Türken, wie sie vom 16. September dieses Jahrestäglich, zugleich mit der Quartierdislocation der Armee, durch den Feld-quartiermeister Oberst von Zellen unter Bestätigung durch den Prin-zen Höchstcommandirenden der Armee, bestimmt wurde. Demnach hattenim Centrum der Armee sich zu formiren 2 Regimenter Fussvolk desGrafen Chamilly und 1 Regiment Fussvolk Hofkirchen, vor ihnendie ganze Artillerie der Armee unter Befehl des Artillerie - Generals(General d'artillerie) Grafen Sulz-Wolf; dann rechts vom Centrum an-fangend nach der rechten Flanke: die Reiterei des Prinzen von Loth-ringen selbst, die des Grafen Hohenlohe, das Regiment FussvolkSchönberg, die Cavallerie des Grafen Thurn, die Hussaren der GrafenNadazdi undZerina, das Regiment Fussvolk Meersberg, und endlichdie Heiduken (ungarisches Fussvolk) Nadazdi's; vom Centrum nachlinks bis zur linken Flanke: die Cavallerie des Oberst Goditzki, dasRegiment Fussvolk des Oberst Preiner, die berittenen Arkebusire desObersten Collonitsch, das deutsche Fussvolk Germstein's, die Hei-duken und berittenen Arkebusire Francoli's, und endlich die Hussarenund Heiduken des Banus von Kroatien. Es ist hieraus ersichtlich,dass die Infanterie- und Cavallerie-Abtheilungen sich zwischen einandergemischt aufstellen sollten, so dass 1 oder 2 Regimenter Fussvolk rechtsund links neben sich Cavallerieabtheilungen hatten, ohne Zweifel, damitbeide Waffengattungen sich im Gefecht gegenseitig unterstützen sollten;die gesammte Artillerie war vor dem Centrum der Armee vereinigt, inder Schlacht aber vertheilte sie sich vermuthlich auf die für ihre Thätig-keit günstigen Punkte, je nach Art und Umständen.

Die Kriegsverfassimg des deutschen Reiches trug in der Periodevom Tode Maximilian's I. bis zum dreissigjährigen Kriege folgendeHauptzüge: