90 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Die Militärgrenze, von St. Veit längs des Meeres bis Zengg undweiter nach der Nordostecke der Grenze von Ungarn und Polen, hatteeine sehr bedeutende Ausdehnung und stiess mit den eroberten Türken-ländern an einander. Auf ihrer ganzen Länge waren Gebirge und Ebe-nen, Wälder, grosse und kleine Ströme, und viele Städte und Festungenvertheilt. Aber die Grenze bildete nicht etwa eine scharf abgezeichneteLinie, sondern sprang hier vor, dort zurück, und nur die befestigten oderumschanzten Wohnorte dienten ihr zu Stütz- und Vertheidigungspunkten,und die Bewohner derselben hatten daher fortwährende Scharmützelmit den Türken zu bestehen. Der wendische und kroatische Theil derGrenze waren die wichtigsten für Steyermark und Krain. Sie waren zuverschiedenen Zeiten gegen Ende des 16. Jahrhunderts besiedelt worden,theils durch die Bewohner der Südgrenze von Kroatien (Waraszdin, Kreiz,Agram), theils durch Uskoken, Morlaken, Walachen, u. s. w. Den erstenAnsiedlern wurde Land geschenkt, den Andern Abgaben auferlegt, dieDritten davon befreit. Zur festeren Organisation der Grenze wurden ver-schiedene Maassregeln eingeleitet, konnten [aber wegen Mangel an Geldund andrer Hindernisse wegen nicht ausgeführt werden. Im Jahre 1577erkannte man hierzu für nöthig, die Militärgrenze zu theilen in die Win-dische (wendische) und die Kroatische. Die erstere umfasste 584Hussaren, 250 Arkebusire, 417 deutsche Knechte und 1807 Haraschireoder angeworbenes ungarisches Fussvolk, im Ganzen 3058 Mann zumSchutze der Grenze und Besatzung von 26 angesiedelten Punkten, mit163684 Gulden zu ihrem Unterhalte (statt der früheren 103614 Guldenfür 1972 Mann). Die andere, kroatische, hatte 26 Meilen Länge mit70 Burgen, grossen und kleinen, und 2219 Mann Fussvolk, 538 MannReiterei, und 148988 Gulden zu deren Unterhalt, wofür vorgeschlagenwurde, 52 Punkte mit 3800 Grenzern für 240168 Gulden zu deren Unter-halte zu besetzen. Alles in Allem gerechnet, betrug dies 78 Punkteund 6858 Mann Grenzer, und 403852 Gulden zu deren Unterhalte. Indemselben Jahre 1577 wurde Erzherzog K a r 1, der Begent von Inner-österreich, zum Höchstcommandirenden der Militärgrenze von der Draubis zum adriatischen Meere ernannt. Im Jahre 1578 ward der Militäretatder Kroatischen Grenze festgestellt auf 1315 Haraschire, 500 Hussaren,,300 berittene Schützen und 320 deutsche Knechte, im Ganzen 2435 Mann,und 160848 Gulden jährlich zu ihrem Unterhalt. Im selben Jahre wurdein Innerösterreich ein Hofkriegsrath für die Militärgrenze eingesetzt.Erzherzog Karl bemühte sich mit Eifer um die Organisation, aber derMangel an Geld band ihm die Hände. Doch that er Alles, was er irgendkonnte: i. J. 1578 begann er den Bau der nach ihm benannten Festung-Karlstadt, später traf er noch verschiedene Anordnungen zur Verbesser-ung der Militärgrenze, soweit die Mittel es erlaubten.