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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 89

ch-en,Walachei!, und hielten die Waffen für ihren grössten Reichthumund Schmuck. Ihre erste Zufluchtstätte war das befestigte Klissa, dessenHerrscher Peter Kr ossitsch unter der Oberhoheit von Ungarn sie alsseine Militärunterthanen annahm. Trotzdem aber fiel 1557 Klissa in dieHand der Türken.

Die Ursachen, welche ursprünglich die Uskoken zur Flucht aus ihrerHeimath bewogen hatten, verbürgten ihre Tüchtigkeit zum Kriegsdienstund zur Beschützung der Grenzen gegen die Türken. Ferdinand I.erkannte dies und schenkte ihnen unter der Bedingung steter Bereitschaftzum Kriege Ländereien an der Grenze von Kroatien bis zur Krain hin,wo sie in den Bergen, hauptsächlich in der Gegend von Sichelburg inzerstreuten Wohnungen lebten unter der Hoheit sowohl ihres eigenenWojewoden, welcher im Solde des Kaisers gestanden hatte, wie einesvon Letzterem ernannten Hauptmanns oder Capitäns der Uskoken. Eswaren ihnen gewisse Freiheiten zugesprochen, sie erhielten Geld für dieBeackerung des Landes, und in Jahren der Missernte Getreidekorn, auchleisteten sie grosse Dienste beim Schutz der Grenzen. Im Allgemeinengründete sich die militärische Organisation der Grenzen auf das slawischeGeweindewesen nach altem Brauch.

Nach Einnahme von Klissa durch die Türken siedelte der grössteTheil der von dort entfliehenden Uskoken sich an den Meerbusen bei derStadt Zengg an, wo ein ausgezeichneter Hafen und das ganze Terrainihnen einen natürlichen Schutz gegen die Türken bot. Anfänglich warenihrer nicht über 600 Mann. Als der Sultan Suleiman sein Anrechtauf Zengg geltend machte, vereinigte Ferdinand I. dieses Gebiet mitseinen Kronlanden und setzte den Uskoken einen Sold aus. Ihre Zahlvergrösserte sich nach der wiederholten Einnahme von Klissa durch dieTürken, und Zengg wurde nun der Sammelpunkt für alle Uskoken ausDalmatien, Apulien und den venetianischen und türkischen Seeküsten,sodass sie in stipendiati oder Soldempfänger, Chosja'i (casalini,Hausbesitzer). Wychodzi (venturini, Auswanderer), und Banditi (zuBanden gehörige) zerfielen. Für Unterösterreich wurde Zengg der vor-geschobene Schutzposten von Kärnthen, Istrien und Friaul, und die Be-wohner von Zengg ihre Beschützer. Da aber das ihnen bestimmte dürf-tige Gehalt (jährlich im Ganzen 20000 Dukaten, oder pro Kopf 82 Kreuzer)nur selten richtig ausbezahlt wurde und sie weder Mittel noch Lust hattendie Steinumwallung der Stadt zu unterhalten, so waren sie notgedrungenin der Lage, sich diese Mittel durch Streifzüge in das Türkenland zu ver-schaffen, anfänglich zu Lande, dann auch zur See an der Küste von Dal-matien. Die Republik Venedig verfolgte sie oft als Seeräuber, in demKriege aber gegen die Türken in den Jahren 1570 73, leisteten siedieser Republik wieder grosse Dienste.