§8 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
nicht zur richtigen Zeit, und dadurch entstanden Unordnungen, Räuber-eien, Aufruhr u. s. w. Und selbst wenn Geld da war, so trieben dieIntendantur-Beamten Missbrauch und bestahlen die Truppen. Ebensowar es mit der Bekleidung, Beschaffung von Tuch u. s. w. Eine Mengevon Uebelständen wurden auch durch die Unordnungen im Münzsystemund die schlechte Beschaffenheit des eigenen wie fremden Geldes her-beigeführt. Ausserdem machte der Einfiuss der Landtage, welche meistden Unterhalt der Truppen, ihre Aufstellung und Ausrüstung auf einekurze Zeit beschränkten, die Einberufung derselben vor der Zeit, dieschlechte Versorgung Kranker und Verwundeter u. s. w., den Zustandder Kriegsadministration der Heere nur noch schlimmer.
Die militärischen Einrichtungen Maximilian's L, welche in ganzEuropa Nachahmung gefunden hatten und überall vervollkommnet wur-den, besonders aber in Frankreich, Spanien und der Schweiz, bliebendagegen in Oesterreich selbst und in Deutschland lange auf derselbenStufe stehen, ohne irgend welche Verbesserung, und hatten schliesslichihre Kraft verloren, sich überlebt, waren veraltet und den neuen Anforder-ungen nicht mehr entsprechend. Erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundertstrat in Oesterreich die Notwendigkeit einer Umbildung der Kriegsorga-nisation hervor, auf welche besonders Beirlin in seiner »Neuen Kriegs-ordnung« (1563) hinwies. Obgleich er die alten Kriegsgebräuche nochachtete, so verwarf er doch die alten militärischen Ordnungen und schlugeine Menge von theilweisen Abänderungen sowohl auf kriegsadministra-tivem wie auf taktischem Gebiete vor (angemessene Concentrirung derTruppen, grosse Beweglichkeit und Manövrirfähigkeit der Compagnien,Uebergang aus der Marschordnung in die Schlachtordnung und umge-kehrt, u. s.w.). Später trat auch der Wunsch nach zweckmässiger Umge-staltung der militärischen Schulbildung und des Kriegslehrwesens hervor.Auf dem Landtage von 1589 beantragte der Erzherzog Ernst im NamenRudolph's IL verschiedene Abänderungen, welche zum Zweck hatten,beständig eine gut geschulte Cavallerie und Infanterie zu besitzen, nichtaber eine solche, welche in Eile zusammengebracht und gänzlich unaus-gebildet war. Das Alles aber blieb ohne weitergehende Folgen.
Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die Entstehung der Mili-tärgrenze und deren Organisation. Hier tritt schon seit Anbeginn dieBenennung U sk ok e n * ) auf, d. h. solche Leute, welche bei dem Einfallder Türken in das benachbarte ungarische Gebiet lieber ihr Vaterlandverlassen, als ihrem Glauben untreu werden wollten, und deshalb sichdavon machten, in Freiheit schweifend. Sie waren grösstentheils slavi-scher Abstammung, nannten sich selber Wlassen, Lassen oder Wla-
Von uskakiwatj = fortgaloppiren. Anm. d. Uebers.