Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 87
In den Offizierschargen hatte sich im Verlaufe langer Zeit wenigverändert. Im Jahre 1566 war bei der Armee gegen die Türken unterdem Oberbefehl des Erzherzogs Ferdinand der Graf von Schwarzen-berg Generalobristlieutenant mit 3000 Thaler monatlicher Gage. UnterRudolph IL waren durch die Bemühungen des Erzherzogs Matthiasder Generalstab und das Artillerie- und Ingenieur cor ps am besten undeingehendsten organisirt. Im Jahre 1598 betrug das Gehalt für alle Offi-ziere und Stäbe 29474 Gulden monatlich.
Um diese Zeit ging die Bezeichnung Regiment, welche bis dahinnur eine administrative Einheit bedeutet hatte, auch auf die tak-tische in mehrere Fähnlein oder Compagnien getheilte, unter einemOberst stehende Einheit über. Doch geschah das nicht plötzlich, son-dern ganz allmählich, und bei der Reiterei bestand noch immer die Ein-theilung in Fahnen oder Rotten, oder es bestanden auch Reitercorps,welche nach ihren Anführern hiessen.
Mit der Organisation von Infanterieregimentern werden auch B e -stall-und Artikelbriefe erlassen, d.h. schriftliche Bestimmungenüber Werbung und Bildung von Regimentern deutscher Knechte.So sollte i. J. 1609 das Regiment Colionitsch aus 3000 Mann deutscherKnechte in 10 Fähnlein ä 300 Mann mit allen Stabs- und Oberoffizierenbestehen, bei jeder Compagnie 100 Mann Doppelsöldner, 150 Musketire,und 500 Schützen. Dabei wurde der Sold nicht nach der Bewaffnung,sondern nach der Geschicklichkeit und Ausbildung der Leute bemessen.Jeder Capitän sollte seine Compagnie besonders erwerben. Nach An-werbung des Regiments schickte der Herrscher einen Commissar zumonatlichen Musterungen, Controlle u. s. w.
Mangel an Geld war aber auch in dieser Zeit häufig die Ursache,dass den Truppen ihr Sold nicht richtig ausbezahlt oder mit ihnen ge-handelt wurde um Herabminderung des nicht gezahlten Restes. Dadurchgeriethen die Obersten und Hauptleute oft in eine sehr schwierige Lage,und die Truppen empörten sich. Es kamen auch Missbräuche und Unge-hörigkeiten seitens der Capitäne hinzu, welche sich im Dienste durchgrosse Besoldung und verschiedene ungesetzliche Mittel zu bereicherntrachteten. Und ebenso machten es die Chargen der Verpflegungsbranche.In einer Nachweisung vom Jahre 1614 war der Unterhalt eines Regimen-tes deutscher Knechte auf 25000 Dukaten im Monat angesetzt, und ebenso hoch der Unterhalt von 1000 Reitern, wobei aber Gestorbene und De-serteure mit eingerechnet wurden. Dadurch bereicherte sich der Oberst,welcher das Regiment 3 Jahre lang befehligte, so, dass er oft 100000 Du-katen besass. Aber neben diesen Missbräuchen war der wirkliche Mangelan Geld auch oft der Grund zu einer schlechten Militäradministration.Das Heer erhielt weder Sold noch Verpflegung, aber nur theilweise, oder