84 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
InTyrol gingen keine wesentlichen Veränderungen vor, nur be-schränkten die Landstände noch mehr die oberste Gewalt des Herzogs.Im Jahre 1526 bewilligten sie den Unterhalt von 5000 Mann 4 Monatelang auf ihre Kosten, wo es auch nöthig sei, aber unter der Bedingung,dass kein Angriffskrieg gegen Venedig, den Papst und Frankreich ge-führt werden solle. Im Jahre 1534 beschloss der Landtag 2000 Mannauf 3 Monate zu unterhalten und ausserdem im Innern des Landes15000 Mann bereit zu halten, und i. J. 1556 5000 Mann in Ungarn auf4 Monate zu unterhalten.
DieKrain wurde im 16. Jahrhundert durch Venetianer, Türken,und namentlich durch türkisch - slavische Ueberläufer bedroht, welchesich zuerst in dieser Provinz umhertrieben, dann aber an den Meeres-küsten niederliessen, und statt sie zu beschützen daselbst Seeräubereitrieben. In Folge dessen waren die ganze Krain und alle Klassen ihrerBevölkerung fast beständig unter den Waffen, in 4 Bezirke getheilt miteinem Hauptmann oder Wojewoden bei jedem. Der Landtag übernahmauf seine Kosten den Unterhalt des Aufgebotes, eine sehr bedeutendeAusgabe, weil zu demselben häufig der 10. Mann einberufen war. Aller-dings participirte Kärnthen an diesen Kosten, aber der weitaus grössteAntheil fiel auf Krain. Die gesammte Vertheidigung des Landes wurdein ein System gebracht, der Mittelpunkt desselben war das BurgschlossLaibach; die Grenzen wurden nicht befestigt; in der Umgebung vonMöttlingen, Neustadt u. a. O. wurden Blockhäuser oder hölzerne Wacht-häuser errichtet, in den Wäldern Verhaue angelegt u. s. w.
So lange es noch kein stehendes Heer in Oesterreich gab, so auchkeinen ständigen Kriegsrath, sondern wurde ein solcher nur hie und da voreinem Feldzuge auf bestimmte Zeit zusammenberufen (in Mähren, Tyrol,und von 1551 an in Oesterreich). Ferdinand I. aber setzte 1556 einenbeständigen Kriegsrath bei seinem Hofe ein, ernannte 5 Mitglieder dazuund gab jedem seine Instruction. Das bildete den Anfang des berühmtenösterreichischen Hofkriegsraths. Er hatte einen berathenden,administrativen und executiven Charakter, indem er sich mit Allem be-schäftigte, was Heeresorganisation und Kriegführung anging. Später(1578) wurde ein solcher Hofkriegsrath in Brück an der Mur für ganzInnerösterreich (Ober-und Niederösterreich, Steyermark, Kärnthen, Krainund Görz) eingesetzt.
Zur Zeit der Einsetzung des Hofkriegsrathes in Wien waren diehöchsten Chargen im Heere: der Oberfeldzeugmeister, der Befehlshaberdes See-Arsenals und der Flotte (in Wien), der Mustermeister (Truppen-Inspecteur), der Proviantmeister, der Inspecteur der Kriegsbauten, derKriegsbaumeister u.s.w. Der Generalissimus liiess noch Oberfeldhaupt-