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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 81

setzte Ulrich fest, wie bei Anwerbimg, Aufstellung und Bewaffnung derAufgebote verfahren werden solle. Von 1512 an vermehrte sich die Zahlder Miethstruppen, unter welchen sich auch 200 Edelleute auf Soldbefanden.

In Hessen stellten die Lehnsbesitzer und Landbewohner i. J. 1534dem Landgrafen Philipp 1683 Mann vollkommen ausgerüsteterReiterei; die geworbenen Landsknechte waren in 3 Regimenter ge-theilt (2 oberländische und 1 niederländisches) in einer Stärke von 28Fähnlein und 16344 gut geschulten Knechten; dazu stiessen 2355 MannSöldnerreiterei. Der erste Anfang eines stehenden Heeres reicht bis 1592unter Landgraf Moritz zurück, welcher einige eigene Haustruppen(Leibwache), Infanterie u. s. w. bildete unter dem Befehl des Comman-danten der Stadt und Festung Cassel. Im Jahre 1599 und 1602 tratenSpuren von einer Leibgarde und Erlass eines Artikelbriefes für dieKnechte auf (Fussvolk), welcher bis zum Jahre 1689 bestand. Im Jahre1600 wurden in gleicher Weise mit den Aufgeboten des Adels und Landes4 Regimenter Fussvolk errichtet, i. J. 1605 sogar noch ein 5. Regimentin Art einer Landwehr, zur Vertheidigung des Landes. Es wurden Er-lasse gegeben über Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung der Truppen,auch eine gewisse Gleichförmigkeit für Sommer- und Winterequipirungund Bewaffnung herbeigeführt (Musketen, Arkebusen, Piken, Hellebardenit. s. w.). Die Regimenter wurden zu 9 Fähnlein oder Compagnien ä 130170 Mann eingetheilt und stellten sich auf in Rotten zu 8 Mann, warenaber nicht beständig beisammen und unter Waffen, sondern hielten sichin ihren Bezirken auf, wo sie an Sonntagen einen halben Tag übten. Füräussere Kriege wurden ausserdem Werbetruppen angenommen, in demBedarfe entsprechender Anzahl. Die Reiterei mussten die Edelleute undLehnsleute stellen, sie machten jedoch häufig Schwierigkeiten, und des-halb wurde nicht selten auch Reiterei angeworben in Stärke von 100 Kti-rassiren und 25 Arkebusiren, im Ganzen 125 Mann in einer Compagnie.Die Feldartillerie, die Hälfte Haubitzen, war mit den Regimentern ver-einigt, blieb aber ungetheilt beisammen (4 Geschütze auf 1000 Mann).

Anders war es in B r a n d e n b u r g - P r e u s s e n, wo die beständigenKriege mit den Wenden, Polen und Pommern eine dauerhafte und festeKriegsorganisation verlangten. Brandenburgs Reichs-Contingent war nurunbedeutend (i. J. 1505 an Reiterei 60, an Fussvolk 67 Mann), aber fürseine eigenen Kriege brachte es eine bedeutende Armee auf die Beine.Kriegsorganisation und Heerwesen im übrigen Deutschland zwang auchin Brandenburg dazu, sich mit dem Unterhalt von gut organisirten undgeschulten Truppen zu befassen, vor Allem Reiterei, dann auch Fussvolk.Der Bau der Festungen Kiistrin, Peitz und Spandau forderte beständigeGarnisonen in denselben: sie bestanden aus Miethsknechten unter dem

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 6