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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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80 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

In Sachsen begann man, obschon der Lebnsdienst noch nicht gänz-lich beseitigt war, doch im 2. Viertel des 16. Jahrhunderts Söldnertrup-pen zu unterhalten, und zwar vorzugsweise Landsknechts-Fussvolk,das in Eegimenter getheilt war. Unter dem kriegerischen KurfürstenMoritz bildeten Landsknechte den besten und Kerntheil des Heeres.Moritz unterhielt sie sogar schon im Frieden und handhabte einestrenge Mannszucht bei ihnen. Ausserdem aber unterhielt er auch städti-sche Truppen in beständiger Bereitschaft zum Kriege. Sein NachfolgerAugust verzichtete auf das Halten eines stehenden Heeres, dagegenhielt er um so entschiedener daran fest, Lehns-, städtische und andereAufgebote in steter Bereitschaft zu haben, und untersagte den Eintritt infremde Dienste. Ebenso machte es auch sein Nachfolger Christian I.,unter welchem über die zum Kriegsdienste Verpflichteten Musterungenabgehalten wurden.

In Bayern hatte man zum ersten Male unter Herzog Alb recht esfür nützlich befunden die Truppen nach dem Vorbilde der Landsknechtein Regimenter zu theilen. Viele Werberegimenter zu Fuss und zu Pferdenahmen Theil an den Kriegen Karl's V. in Deutschland, den Nieder-landen, Italien, gegen die Türkei und in Africa. Besondere Verdiensteerwarb sich Herzog Maximilian L; er verschaffte sich geschickte Offi-ziere von verschiedenen Waffengattungen, liess Edelleute als Volontairsan äusseren Kriegen theilnehmen, stellte den 10. und 20. Mann in dieLandmiliz zu Pferde und zu Fuss, errichtete Jägertruppen, bildete eineGarde aus altgedienten Leuten, führte bei der Artillerie die Kunst schnel-len Schiessens ein, und betrieb mit grossen Kosten die Festungsbautenin München und den Hauptstädten Bayerns. Er schuf daselbst ein stehen-des Heer (1598) aus den Aufgeboten der Städte und der Landgemeinden(Auserwählte) und errichtete eine ländliche Cavallerie (1599) aus allenStänden. Im Jahre 1601 wurden in Bayern 100 Waffenschmiedemeisterausgehoben zur Anfertigung, Bedienung und Handhabung von Geschü-tzen ; sie bildeten den Kern und die Grundlage der sich mehr und mehrerweiternden artilleristischen Einrichtungen.

InWürtemberg bildete das Lehns- und Landes-Volksaufgebotdie Hauptgrundlage, aber es ging auch nicht ohne Soldtruppen ab. UnterHerzog Ulrich waren i. J. 1503 zur Zeit des Krieges 10000 Mann Lan-desaufgebot und 12000 Mann Miethlinge vorhanden, darunter die wallo-nische (wälsche) Garde aus französischen und andern Edelleuten.Aber auch hier legten die Landstände den Herzögen Hindernisse undSchwierigkeiten in den Weg sowohl im Kriege wie im Frieden, indemsie sich verpflichteten, Truppen nur für die innere Vertheidigung auf deralten Grundlage aufzustellen, deren Besoldung und Verpflegung füräussere Kriege aber den Herzogen anheimfallen müsse. Im Jahre 1516