Kriegsverfassimg und Kriegskunst im Besonderen. 79
ausgesprochen. Der Angeklagte wurde zur Beichte gelassen, dann bil-deten die Landsknechte eine Gasse nach Osten, und der Profoss triebden Verurtheilten durch die langen Piken, bei dem Schall der Trommelnuud aller Instrumente. Dann gaben über den Leichnam des Getödtetendie Schützen eine dreifache Salve, zum Zeichen, dass die Ehre des Regi-ments wieder hergestellt sei.
Auf diese Weise trug bei den Landsknechten Alles den Stempeleines Gemeinwesens und in ihrer Bruderschaft wurde das urspünglichritterlich adlige Element durch ein städtisch-bürgerliches überwältigt.Damit zugleich aber ging häufig Bürgerstolz und Zunfthochmuth Handin Hand, und die Nichtbezahlung des Soldes erzeugte bei den Lands-knechten dieselbe helle Wuth, wie bei den früheren Söldnern. Hattensie sich früher mit den Schweizern gezankt, so thaten sie es noch mehrmit den Spaniern, welche Karl V. in grosser Anzahl nach Deutschlandhereinzog. Und es kam zu furchtbaren und blutigen Raufereien, Unord-nungen u. s.w.
Das Hauptlaster der Landsknechte war ihre Leidenschaft zu Karten-und Würfelspiel, die häufig zu Mord und Todschlag führte. Aber derHang zur Völlerei übertraf noch ihre Neigung zum Spiele. Bei Spiel undTrunk ergingen sie sich in Schwören, Fluchen und Gotteslästerungen.Der Geist der Ordnung konnte natürlich dabei nur gering sein. Doch kannman den Landsknechten eine grosse Findigkeit nicht absprechen, die siez. B. auch in der Art zeigten, wie sie sich Mittel zur Zeitbestimmungverschafften. Im privaten Leben gebrauchte man damals hierzu Sand-uhren, doch die waren für das Lager nicht verwendbar, und Taschen-uhren in Form der »Nürnberger Eier« waren noch zu theuer. Deshalbnahmen die Landsknechte ihre Zuflucht zum Hahn, deren sie auf jedenKriegsfahrzeuge 1 hatten, und sein Gesang — ungefähr alle 3 Stundenzwischen Sonnenuntergang und Aufgang erfolgend ■—, zeigte ihnen dieAbend- und Nachtstunden an.
Eine helle Lichtseite der Landsknechte war ihre besondere Liebezum Gesänge (welcher damals überhaupt in den Bürgerklassen der Städtesehr verbreitet war), sie dichteten und sangen ihre eigenen sehr origi-nellen Weisen.
Es bleibt noch zu bemerken, dass die eigenthümliche Organisation,Kriegswesen, Sitten und Gebräuche der deutschen Landsknechte hier soausführlich dargestellt wurden, weil sie als Muster für die deutschenHeere der Folgezeit dienten.
Trotz aller ihrer Fehler hatten die Landsknechte aber doch solcheVorzüge gegenüber dem früheren Lehnsdienste und Söldnerwesen, dassman auch in andern deutschen Ländern dieselben oder ähnliche Schaarenaufzubringen suchte.