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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 75

Ueberhaupt entwickelte Maximilian eine umfassende und viel-seitige Thätigkeit in Allem, was sich auf Truppen und Kriegswesenbezog, unermüdlich, scharfsinnig und energisch kämpfte er gegen dieUngunst der Verhältnisse und brachte die heterogensten und widerstre-bendsten Elemente zur Einigkeit und Uebereinstimmung (Lehns- undSold-, Reiterei- und Fussdienst), indem er ein tief durchdachtes und festdurchgeführtes System befolgte und den günstigen Augenblick rasch zubenutzen verstand. Von Jugend auf hatte er sehr richtige Begriffe vonHeer, Krieg und jeder Art kriegerischer Thätigkeit, Vieles und Grosseshat er im Leben vollbracht, dennoch scheint das nur der kleinste Theilvon dem gewesen zu sein, was er geplant hatte und durch widrige Um-stände auszuführen verhindert wurde. Er selbst äusserte, »dass er imKriegswesen mehr gedacht als gesehen, und mehr unternommen als aus-geführt habe, weil das Glück ihn nicht begünstigte«.

Nach seinem Tode gingen die Landsknechte noch schneller ihrerZersetzung und dem Verfalle entgegen und waren Nichts mehr von dem,was sie zu Anfang gewesen, Landsknechte nur noch dem Namen nach,iu Wirklichkeit aber regelrecht organisirte Söldnerschaaren, deren offi-zieller Name jetzt deutsche Fussknechte lautete. Ihrer innerenOrganisation und Eintheilung nach entsprachen sie jedoch noch immerder Zeit und den Verhältnissen. Wenn auch Vieles von ihnen denSchweizern entlehnt war, so hatten sie doch im Ganzen viele eigenthüm-liche Züge. Sie wurden durch Werbung zusammengebracht: wenn einFürst oder Regent eines Heeres bedurfte, so ernannte er einen ihm be-kannten und werthenFeldherrn zu seinem Feldobersten oder Feld-hauptmann, gab ihm ein Patent mit der Vollmacht zur Anwerbungeines Regiments Landsknechte, und einen Artikelbrief oder die Be-dingungen, nannte sich den obersten Kriegsherrn und nahm sämmt-liche Kosten der Werbung und des Unterhalts auf sich. Alles Uebrigelag nun dem Feldobersten ob: er schickte Werber aus, ernannte sichseinen Lieutenant, die Hauptleute der Fähnlein u. s. w. Die Angewor-benen wurden in eine Liste eingetragen, erhielten Handgeld, und stelltenam bestimmten Tage sich auf dem Sammelplatze ein. Dort übte derMusterherr eine strenge Controlle über Werbung und Geworbene, umBetrügereien zu verhindern. Die Unbemittelten, am einfachsten Bewaff-neten erhielten den gewöhnlichen Sold, die besser Bewaffneten mehr,die am vollständigsten und besten Bewaffneten den doppelten Sold.Unter den Letzteren befanden sich mehr oder weniger vornehme jungeAdlige und Städter, sie bildeten das 1. Glied. Bei alledem kam dochvielerlei Betrug vor, um nur Sold zu erlangen, und nicht allein der obersteKriegsherr, sondern das Kriegsvolk selbst wurde oft das Opfer der Geld-bestechungen und Betrügereien aller Art.