74 III. Von Einfuhrung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
Adligen nur das Vorrecht zugestehen, dass sie im 1. Gliede standen, inallem Andern rechneten sie sich ihnen gleich, und schliesslich wurdengewöhnliche Schaaren von Söldnern aus ihnen, nur hesser disziplinirtund regelmässiger organisirt. Zweitens passte die schweizerische Kriegs-verfassung, dem Geiste der schweizerischen Kantons und Gemeindenangemessen, auf die deutschen Landsknechte, für welche Maximiliansie zum Vorbilde genommen hatte, nur unter günstigen äusseren Umstän-den. Sobald aber der alte Sinn der Kameradschaft und Eigenmächtigkeitder Miethlinge die Oberhand gewann, wurde er durch die Organisationder Landsknechte mehr gefördert, als im Zaume gehalten. Drittensmussten, da nicht immer genug deutsche Landsknechte vorhanden waren,bisweilen mit ihnen zugleich auch Schweizer angenommen werden, unddiese gaben jenen ein schlechtes Beispiel, um so mehr mehr, da beidesich gegenseitig hassten, die Schweizer mehr Sold empfingen, und dieSucht nach Geld zunahm. Maximilian selbst erlebte noch in seinenletzten Jahren den Schmerz, den Verfall seiner Schöpfung mit ansehenund von derselben grosse Unannehmlichkeiten, sogar Gefährdung seineseigenen Lebens erfahren zu müssen (im Feldzug 1516 gegen Mailandbrachen die Landsknechte in offene Empörung gegen Maximilian ausund hätten ihn fast getödtet). Daraus erklärt es sich, wie die Lands-knechte sobald nach ihrer Gründung derartig sinken konnten, dass sieeine Gefahr und Schrecken für Deutschland, Gegenstand des Hasses fürdas deutsche Volk, eine zügellose meuterische Bande von Räubern undDieben wurden.
Ausser der Einrichtung der Landsknechte verringerte Maximiliandie numerische Stärke der Garnisonen an den Nordgrenzen der RepublikVenedig, wegen der zunehmenden Kostspieligkeit der Truppen, Festun-gen, Burgen u. s. w. Durch besondere Verträge sicherte er einzelnenPersonen oder Corporationen die freie Besetzung von Schlössern undBurgen zu, welche ihnen gehörten, bisweilen auch die Anwerbung vonderen Einwohnern, und vertraute diese Schlösser ihm ergebenen Män-nern an.
Grosse Verdienste erwarb er sich auch durch Vervollkommnung derdeutschen Artillerie, durch Aufmunterung der städtischen Bürger, sichim Bogenschiessen und Handhabung der Feuerwaffe zu üben, durch denSchutz, welchen er der Ingenieurbaukunst und den Festungsbau-Inge-nieuren, Waffenschmiede-Meistern, Panzerschmieden u. s. w. angedeihenHess, durch die genaue Festsetzung der Bedingungen des Dienstes, derVerpflichtungen und des Unterhaltes der höchsten Armee - Chargen, derMilitärgerichtsbarkeit u. s. w. Er hielt sich Hoftrabanten, damals die ein-zige Leibgarde, deren Sold aber nur gering war. Auch den Dienst derKriegskundschafter im Felde Hess er nicht ausser Acht.