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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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76 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Das Ansehen, welches die Werber von Landsknechten genossen, undder verlockende Gewinn bei der Werbung rief auch in Deutschland die-selben condottieri hervor, wie in Italien. Schon unter Friedrich III.,zur Zeit der inneren Kriege von 1462, gab es viele Söldner-Anführer(Jan Witowetsch, Eilerbach, Grafenegker, besonders GrafHohenernbs, Sebastian Schertlin von Burtenbach u. A.),welche angesehene Stellungen, Macht, Reickthum und grosse Berühmt-heit erlangt hatten. Die Feldobersten, welche durch ihren NamenSöldner zusammenbrachten, behielten stets das Recht (das Regiment) dieOffiziere zu ernennen und zu entlassen, Recht und Urtheil zu sprechenu. s. w. Bald aber ging die Benennung Regiment auf eine gewisseAnzahl von Fähnlein oder Compagnien über, welche einen gemeinsamenvollberechtigten Anführer oder Obersten hatten, und ungefähr also einemjetzigen Regiment entsprachen.

War die Musterung über die Geworbenen beendet, so Hess der Obersthoch zu Rosse sie einen Kreis um sich schliessen, hielt eine Anrede, ver-las den Artikelbrief und nahm ihnen.den Eid auf diesen ab. Die Artikel-briefe waren im Allgemeinen Disziplinar-Statuten über die Pflichten undFührung der Landsknechte im Dienste bei allen Gelegenheiten. Im Be-sondern war darin der Name dessen genannt, dem das Heer gehörte,sowie dessen, der es zusammengebracht hatte, und der Zweck, weswegenes geworben war.

Danach forderte der Oberst Gehorsam gegen sich, seinen Fähndrich,und Feldwaibel, stellte den Landsknechten seine Gehülfen (Lieutenant),Schreiber, Caplan und Feldscherer vor. Unter Leitung des Feldwaibelswurde zur Wahl des Gemeinwaibels, Führers und Fourirs geschritten.Dann wurden sämmtliche Landsknechte in Rotten zu 10 Pikeniren unterBefehl eines Rottmeisters abgetheilt. Ambossati Messen durch dieGehülfen ausgewählte Leute, welche im Namen der Mannschaft Be-schwerden an den Oberbefehlshaber bringen sollten.

Die Stärke der Fähnlein war verschieden: anfänglich 300400Mann, später mehr, in Folge der Vermehrung von mit Feuerwaffen Ver-sehenen. Nach dem Projekte Beirlin's, dasi. J. 1563 Ferdinand vor-gelegt wurde, sollte ein Fähnlein aus 80 Doppelsöldnern - Schützen,60 mittleren, und 60 einfachen Söldnern bestehen, welche Feuerwaffenhatten, ferner aus 80 Doppel-, 60 mittel- und 60 einfachen Söldnern-Pikeniren und 70 Knechten mit langen Piken, 36 Hellebardisten, 14 mitHakenpiken Bewaffneten, 4 Trommlern und Pfeifern, 2 Knechten mitSchlachtschwertern bei der Fahne, und endlich aus dem Capitän, Lieu-tenant und Fähndrich, im Ganzen also aus 529 Mann, 1 Capitän, 1 Lieu-tenant, 1 Fähndrich, 200 Arkebusiren, 244 Pikeniren, 36 Hellebardisten,4 Tambours und Pfeifer, und 2 Knechten mit Schwertern bei der Fahne.