Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 73
indem er sie auf Fussvolk übertrug. Wie in jene, so wurde auch zu denLandsknechten der junge Adel genommen, als sorgfältig und vollkommenausgerüstete Doppelsöldner (d. h. mit doppeltem Solde), aus diesenEdelleuten wurden die Cadres gebildet, sie nahmen ihre bewaffnetenDiener zu Fuss (Reisiger) mit sich, formirten für sich das 1. Glied,aus den Fussdienern das 2. und die folgenden Glieder, — und erhieltenden Namen Landsknechte*), welche Benennung (lansquenets)schon in der Armee KaiTs des Kühnen existirt hatte (dieser schicktedie burgundischen Kriegsstatuten an Maximilian, welcher sie er-lernte). Jedenfalls waren die Landsknechte eine ursprünglich adlig-ritterliche Einrichtung. Maximilian selbst nannte sich den Erstenunter Gleichen bei ihnen, erschien bisweilen in der Ausrüstung einesLandsknechtes mit Pike und Schlachtschwert, wie sie sie trugen, undstellte sich in's 1. Glied.
Die Zeit ihrer Errichtung fällt in die ersten Regierungsjahre Maxi-milian's. Schon i. J. 1488 wurden die Bewohner des rechten Rhein-ufers von Feldkirch bis Bregenz Landsknechte genannt. Der Gedankeder Errichtung selbst entsprach ganz dem hehren Geiste Maximilian's,»des letzten Ritters«. Dieser Gedanke brachte das lange vernachlässigteund gering geachtete, aber unaufhaltsam in das Gebiet des Ritterthumseindringende Fussvolk zu Ehren und wandelte eine wenig nützende Sortevon Mieths-Söldnertruppen in eine von dem Gefühl der Ehre beseelteSchaar um. Das Kriegshandwerk wurde aus den Händen der Anführervon Abenteurerbanden genommen, mit adligen Elementen durchsetzt,und die Triebfedern zur Thätigkeit der Truppe lagen nun in der Handdes obersten Kriegsherrn, des Kaisers selber.
In dem ersten Anfange ihrer Errichtung entsprachen die Lands-knechte auch vollkommen dem Gedanken und Wunsche Maximilian's,und zeichneten sich unter der Anführung ihres berühmten Führers Georgvon Frundsberg durch den ritterlichen Sinn der Treue und Selbst-losigkeit in ihren ersten Kriegsunternehmungen aus. Doch bewahrtensie diesen vortrefflichen Geist nicht lange. Und zwar in Folge von man-cherlei Ursachen. Zunächst wurde es den adligen Landsknechten schwer,gemeine Landsknechte aus ihren eigenen Untersassen zu erwählen, siemussten daher nothgedrangen wieder Söldner nehmen. Diese Söldneraber standen doch in einem ganz anderen Verhältnisse, als die doppeltbesoldetenAdligen, und damit war schon der erste Zusammenhaltzwischen diesen und jenen zerrissen. Die Landsknechte wollten den
*) Nicht von Lanze, sondern von Land, Knechte des flachen Landes, imGegensatz zu denen des Gebirges, wie z. B. die Schweizer es waren.
Anm. d. Uebers.