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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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72 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

traten, dann wurden sie für den Staat gefährlich. Schon unter Fried-rich III. hatten in Oesterreicli und Suddeutschland sich solche Genossen-schaften oder Brüderschaften gebildet, welche ihre eigenen Statuten be-lassen, und von dieser Zeit ab entstanden andre ähnliche, wanderndefreie Republiken bildend, welche für Alle gefährlich wurden. Zum Glückbestanden sie nicht blos aus der Hefe des Volkes, sondern auch ausbesseren Ständen, welche ihnen noch einigen Halt gaben. Später bilde-ten sich solche Brüderschaften auch nur aus Edelleuten, wodurch siedann einen etwas edleren Charakter erhielten.

Bis jetzt waren die Adligen nur zur Bildung von Cavallerie ange-worben und aus dem früheren unbesoldeten ritterlichen Dienste in be-zahlten Söldnerdienst thuende verwandelt worden. Gegen Ende derRegierung Friedrich's HI. aber, und mehr noch unter Maximilianwurde es Gewohnheit, Adlige auch zur Bildung von Fussvolk, bisweilenmit Cavallerie zugleich, bisweilen für sich allein anzuwerben. DiesesSystem der Anwerbung erhielt von Maximilian eine ganz eigenthüm-liche Ausbildung, die es vordem nicht gehabt hatte.

Die angeführten Arten der Anwerbung von Miethstruppen durchMaximilian dienen zur Erklärung einer andern, der mächtigsten mili-tärischen Einrichtung, welche er schuf, der Landsknechte. Nochwährend des Krieges von 1490 hatte Maximilian, unzufrieden mitder Kriegsorganisation des deutschen Reiches, es für das Beste erkannt,dass die Reichsstände anstatt Truppen zu stellen Geld zahlten, für wel-ches der Kaiser selbst sich Truppen verschaffen und durch seine Offizieresie sich in der Hand halten konnte. Ueberhaupt ging bei dem Verfalldes Lehnsdienstes das Bestreben Maximilian's auf ein besonderes Zielhin, nämlich den unaufhaltsam sich entwickelnden Werbedienst auf Soldin eine gewisse Beziehung mit der früheren ritterlichen Organisation zubringen. Aus diesem Bestreben ging die Errichtung der K i r i s s e r e unddes Ritterthums auf Sold hervor. Aber die Fortschritte der Feuer-waffen und des schweizerischen Fussvolkes stellten für Alle, besondersaber für den scharfblickenden Maximilian die Wichtigkeit eines gutenFussvolkes vor die Augen. Es war jedoch unmöglich ein solches zu bil-den weder aus den deutschen Söldnerbanden, noch aus Schweizern.Daher führte die erste Stufe die Kirissere, und die 2. Ritter-thum auf Sold, Maximilian zur 3., den Landsknechten, d.h.einer solchen Truppe, die vollkommen in seiner Hand und Gewalt warund eine nach Möglichkeit ritterliche Verfassung in Form eines Ritter-ordens oder einer militärischen Brüderschaft haben sollte , wenn sieauch nicht aus Edelleuten allein, sondern vorzugsweise von Leuten aus demgemeinen Volke gebildet war. Zusammensetzung und Organisation derLandsknechte entnahm er von der der Kirissere und Ritter auf Sold, nur