Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 71
so sollten die andern -Lande zu Hülfe kommen. Wenn alle österreichi-schen Lande zu gleicher Zeit gefährdet waren, so sollten in allen dieAufgebote zum allgemeinen Schutze einberufen werden. Damit war derDienst der localen Aufgebote nur innerhalb ihrer eigenen Provinzen zuEnde, und sie mussten nun auch ausserhalb derselben dienen, im Falleder Noth sogar über 6 Monate.
Aus allen diesen Einrichtungen geht hervor, wie Maximilian be-strebt war, eine österreichische nationale Heeresmacht zu gründen, undwie er das "zum Theil auch durch seine adligen Söldner und das gegen-seitige Vertheidigungsbündniss der österreichischen Länder erreichte.Aber Letzteres war nur für die innere Vertheidigung bestimmt, die Erste-ren waren an Zahl zu gering für äussere Unternehmungen. Daher mussteihre Zahl vermehrt werden, entweder durch ihre eigenen oder auch durchfremde Leute.
Der Unterhalt der Truppen auf Sold entwickelte sich systematischauch in Deutschland. Der Kriegsdienst wurde zum Handwerk, das Kriegs-wesen erhielt einen zünftigen Charakter. Liebhaber dafür fanden sichviele, und diese waren bereit Jedem zu dienen, der sie gut oder am bestenbezahlte. Wenn sie keinen Sold erhielten, so verweigerten sie den Ge-horsam und verschafften sich das ihnen Zustehende durch Erpressungenvon den Ortseinwohnern und durch Kaub. Dasselbe geschah auch beiihrer Entlassung nach dem Kriege, und bis zu einem neuen Kriege be-schäftigten sie sich nur mit Brandschatzen und Plündern. Schon Maxi-milian^ Vater, Friedrich III., und seine Zeitgenossen erlitten vielUebles von den Söldnern. Freilich erhielten auch die Söldner seltenihren Gehalt richtig in baarem Gelde und beklagten sich über die Land-stände, indem sie sie zugleich plünderten und beraubten, und diese klag-ten dann wieder über sie. Es lag auf beiden Seiten die Schuld, undebenso war auf beiden Seiten die Unzufriedenheit berechtigt.
Etwas mehr Ordnung herrschte bei den schweizerischen Söldnern,welche deswegen auch mehr verlangten und ebenfalls plünderten, wennsie nicht ihren Sold bekamen. Bei allen ihren guten Eigenschaften warensie doch geldgierig, und einmal aus dem Gehorsam gerissen, überliessensie sich den grössten Unordnungen.
Maximilian hatte bei Gelegenheit seiner ersten burgundischenund italiänischen Kriege die Mängel der Söldner vollkommen kennengelernt, musste aber doch nothgedrungen im weitesten Maasse von ihnenGebrauch machen und hatte deren aus seinen eigenen wie aus fremdenLanden. Da aber sein Schatz selten gefüllt war, so erhielten die Mieth-linge häufig keinen Sold und gaben sich Ausschreitungen hin. So langesie von andern getrennt für sich allein blieben, konnte man noch mitihnen fertig werden, wenn sie aber in ganzen Gemeinden zusammen