Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 69
abhalten. Zuerst wurden Disziplinarverordnungen nur für die Zeiteines gewissen Feldzuges erlassen, aber er wollte beständigere habenund fing damit an. dass er für die zum Kriegsdienst im Heere Angewor-benen einen bestimmten Fahneneid vorschrieb, dass sie treu und ge-wissenhaft dem Kaiser und Eeiche dienen wollten, und diesen Eid mussteJeder auf die Fahne leisten. Dann wurden die Pflichten der Söldnerausführlicher angegeben in dem Artikelbrief, welcher nach jederBesichtigung (Appell) Jedem und Allen vorgelesen werden und von Allenbeschworen werden musste.
Indessen vermochte selbst die von den Türken drohende Gefahrnicht, die Unentschlossenheit und Gleichgültigkeit der Reichsfürsten inBezug auf die Kriegsorganisation des Beiches zu beseitigen. Sie willigten(auf dem Beichstage zu Augsburg 1518) nur darin, dass Jedermann all-jährlich beim Abendmahl Yio Bheingulden zum Kriege gegen die Türkenopfern, und dass für diese Gelder Eeiterei und Fussvolk angeworbenund alle Kriegszurüstungen getroffen werden sollten. Aber die Ent-scheidung wurde auf den folgenden Beichstag verschoben, welchenMaximilian nicht mehr erlebte.
Auf fast dieselben Schwierigkeiten stiess Maximilian auch inseinen Erblanden. Die Aufgebote erfolgten wie sonst, nur mit den Lehns-leuten zusammen wurden auch die Städte und Gemeinden herangezogen.Dem Adel war noch immer der persönliche Dienst vorgeschrieben, dieStädte stellten ihre Söldner und Milizen. Vor dem Einberufungspatente(oder Schreiben) wurde ein vorbereitendes oder Benachrichtigungsschrei-ben erlassen. Maximilian bezweckte hiermit, dass solche Freiwillige,welche ihm auf Sold dienen wollten, sich aus der Zahl der für die innereVertheidigung Erforderlichen ausschlössen, er wollte also den Dienstauf Einberufung mit dem Dienste gegen Sold verbinden. Die Landständesuchten übrigens nach wie vor sich von Kriegsleistungen durch verschie-dene Entschuldigungsgründe, Einwendungen und Bedingungen zu drü-cken, sie leisteten — mit einem Worte — auf alle Weise Widerstand.
Auch auf den Lehnsadel suchte Maximilian die Vereinigung vonLehnsdienst und Dienst auf Sold zu übertragen (so nahm er i / 3 in seinenSold, und % sollten Edelleute, Prälaten, Städte und Landgemeinden inSold nehmen). Die günstigste Gelegenheit dazu bot sich noch bezüglichder Reiterei. Er bildete aus jungen Edelleuten die Bitter in seinemSolde, welche den Kern der neuen Beiterei abgeben und den bisherigenRittern Stütze und Verbindung sein sollten. In diesem Sinne warb eri. J. 1498 in Oesterreich 4 Fähnlein Reiterei, jede zu 25 Kirisserenund einer entsprechenden Anzahl von gut bewaffneten und berittenenDienern und Pferden. Der Hauptmann jedes Fähnleins erhielt 50 Guldenmonatlich, jeder Kirisser 4 Gulden innerhalb Oesterreich, und 10 Gulden