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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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68 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

selbst oder durch die Edelleute. Unter Kurfürst Johann wird zum erstenMale von den Städten Geld angenommen an Stelle eines Theiles vonihren Conringenten.

In den übrigendeutschenLändern hatte die Kriegsorganisa-tion fast noch ihren früheren Feudalcharakter bewahrt, zugleich aber hobsich die Bedeutung der Städte fortwährend. In Sachsen wurde zur Zeitder Hussitenkriege das Heer bedeutend vermehrt: nicht allein die Va-sallen mit ihren Unterthanen, sondern auch die Vögte, Amtmänner undRäfhe der Kurfürsten mussten im Heere mit ihren Leuten in voller Aus-rüstung dienen. Der beste Theil des Fussvolks hiess Trabanten, siewaren mit Bogen bewaffnet und hatten Eisenhelme und Panzer. Auchhier wurden Söldner geworben und die Zahl der Truppen dadurch be-deutend vermehrt. Im Jahre 1489 waren zusammengebracht über 4000Mann Fussvolk, 800 schwere Reiter, 400 Fahrzeuge, 171 Hakenbüchsenund 26 grosse Karrenbüchsen, nebst Mundvorrath und verschiedenemMaterial für "Wagenburgen u. s.w. Die Haupttruppengattungen in Sachsenüberhaupt waren die Trabanten, Panzerreiter, und das gewöhnlicheFussvolk.

In Würtemberg war jeder waffenfähige Mann von 18 bis 60 Jah-ren zum Kriegsdienste verpflichtet und musste sich Rüstung und Waffenhalten. Sie führten häufige kriegerische Uebungen aller Art aus, beson-ders Schiessen und Fechten, Marschieren und Evolutionen, von Zeit zuZeit fanden Besichtigungen statt. In den Städten waren Waffenmagazine,jede Stadt bildete eine Art von Waffenplatz-für die Umgegend. Es gab ein1. 2. und 3. Aufgebot. Vor dem Ausmarsch wurden die Offiziere ernannt.Jede Abtheilung hatte bei sich Trommler, Pfeifer, Zimmerleute, "Waffenund Fahrzeuge mit allem Feldzugsbedarfe. Graf Ulrich führte 1460die Verstärkung des Aufgebotes durch Söldner zu Fuss und theilweisezu Pferde ein. Vögte, Amtleute, Förster u. s. w. mussten zu Pferde die-nen. Die Cavallerie bestand indessen vorzugsweise aus Lehnsleuten.

Seit der Thronbesteigung Maximilian's I. als Kaiser von Deutsch-land (1493) begann endlich die Kriegsverfassung dieses Landes durchihn eine neue und bessere Gestaltung anzunehmen. Sobald er Kaisergeworden .war, lenkte er seine Aufmerksamkeit auf eine durchgreifendeReform der Reichskriegsorganisation im Allgemeinen und von Oesterreichim Besondern. Auf dem Reichstage zu Worms (1495) wurde beschlossen,wie man sich im Fall eines feindlichen Einfalls ins Reich verhalten solle,und festgesetzt, dass die Grenzaufgebote sich rasch sammeln und festStand halten sollten, bis die entfernteren herankämen. Der Widerstand,welchen der Ritteradel seinen ersten Anordnungen entgegen setzte, konnteMaximilian nicht von der Verbesserung der Reichskriegsgesetzgebung