Kriegaverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 67
welcher sich vor Allem auf die Anwendung des Pulvers stützte, das fürden Adel kostspielig und beschwerlich war, nahm den Memminger Waf-fenschmied Abraham in seinen Dienst, welcher nun in Tyrol die Be-reitung des Schiesspulvers und den Gebrauch von Feuerwaffen lehrte.Ausserdem warb Friedrich ständige Söldner an. Später aber, 1416,rief er direkt, über den Adel hinweg, die Landleute zu den Waffen, undobgleich diese Maassregel nicht sofort und auf einmal eine allgemeine undentscheidende Wirkung übte, so hatte sie doch die alte feudale Kriegs-verfassung Tyrols bis tief ins Innerste erschüttert, indem sie dieselbe miteiner volksthümlichen Einrichtung verband, welche dem Herzog Fried-rich die Hände weniger band. Letzterer erliess über diese besondereVerordnungen, und sie wurde die Grundlage für die spätere Kriegsorga-nisation von Tyrol.
Die Contingente, welche die einzelnen Erblande des oester-reichischen Hauses zu stellen hatten, waren sehr unbedeutend. Soz. B., als die Reichsfürsten, i. J. 1486 eine Hülfsarmee gegen den KönigMathias von Ungarn aufzustellen versprochen hatten, entfielen auf alleösterreichischen Lande im Ganzen nur 2000 Mann Truppen, und vondiesen auf Nieder- und Oberösterreich nur 300 Mann zu Pferd und 300Mann zu Fuss.
In Brandenburg-Preussen konnte der persönliche Lehnskriegs-dienst sich nicht halten, 'theils weil die Lehnsbesitzer nicht immer dazubereit waren, theils aber auch deshalb, weil die Lehne selbst durch Kauf,Tausch, Schenkungen u. s. w. in den Besitz von Städten, Klöstern, Cor-porationen u. s. w. übergingen, welche damit zugleich auch die Lehns-pflicht übernahmen. In Folge dessen trat schon im 15. Jahrhundert anStelle der persönlichen Kriegspflicht die Stellung von andern Bewaffneten.Um aber jeden Zweifel darüber zu beseitigen, wurden bei den Musterun-gen Verzeichnisse angefertigt, in welche alle erschienenen Leute, Pferdeund Fahrzeuge eingetragen wurden, und die dann bei einer erneuten Vor-ladung als Matrikel dienten. Durch diese Matrikel wurde bestimmt, wieviel jede Provinz und jede Stadt an Leuten und Pferden, Hauptleuten,Holzarbeitern, Waffenschmieden u. s. w. aufzustellen hatte. In dem Kriegegegen Pommern, 1478, sollten im Ganzen 7080 Mann zu Fuss nebst1335 Zugpferden, und 2000 Mann Reiterei aufgestellt werden. Die Ver-stärkung derselben erfolgte durch Werbung oder Contrakte, und auf dieseWeise wurden i. J. 1478 noch 1400 Mann Reiterei aufgebracht. KurfürstFriedrich I. hatte auch in seinen Aufgeboten angeworbene Truppen,Kurfürst Alb recht aber ordnete an, dass jeder adlige Vasall je 1 Knechtauf dem Wagen und 4 Trabanten haben solle, alle mit Piken, Arkebusen,Bogeu nebst Zubehör, Schwertern. Waffen, Panzer, Schilden u. s. w. aus-gerüstet. Zur Formirung der Mannschaften ernannte er Ordner, entweder