Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 63
Ende des 16. Jahrhunderts mit vollem Rechte als das beste in Europabezeichnet werden.
Es war leichter bewaffnet, als das schweizerische und deutsche,nämlich mit Degen. Dolch und leichten Piken, seine Schützen hattendie s c o p e t a (eine Art Karabiner). Es theilte sich in t e r z i a s oder Regi-menter zu 500 bis zu 2000 Mann, und in qua drill as oder Compagnienzu 50 Mann. Die Terzien formirten sich in tiefen geschlossenen Colon-nen von mehr Tiefe als Frontbreite, an den Ecken und nach allen Seitenstanden die Scbützen. Letztere eröffneten durch ihr Feuer in aufgelösterOrdnung den Kampf, unterstützt durch einige quadrillas von Pikeniren.Hinter diesen folgten die Temas, welche den Angriff mit einer Allesniederwerfenden Gewalt ausführten. Misslang derselbe, so warfen diePikenire ihre Piken fort und kämpften mit Degen und Dolch, bis sie denSieg erfochten hatten oder bis auf den letzten Mann zu Grunde gegangenwaren. Unter ihren Streichen fiel Alles. Beim Rückzüge bewahrten siedie musterhafteste Ordnung, ungewöhnliche Kaltblütigkeit und die stol-zeste Haltung.
Diesem ausgezeichneten Fussvolke stand übrigens die schwere undleichte Reiterei keineswegs nach, und ebensowenig auch Artillerie undIngenieure, so dass mit einem Worte seit Ende des 15. Jahrhunderts diespanische Armee in jeder Hinsicht ganz vorzüglich war.
Als seit KaiTs V. Zeiten (1516 —1558) die spanische und österrei-chische Armee zusammen operirten, übertraf erstere die letztere in Manöv-rirfähigkeit und ganz besonders auch in der Handhabung der Handfeuer-waffen.
Kriegsverfassung und Heerwesen Portugals entwickelte sich früherund vielseitiger, als in Spanien, blieb dagegen später gegen jene sehrzurück. Der Zug des Königs Alp ho ns i. J. 1471 gegen Arzilla zeugtschon von den Erfolgen der Kriegseinrichtungen Portugals. Im Feldzugevon 1475 gegen Placencia bestand die portugiesische Armee aus 5600Reitern und 14000 Mann Fussvolk, folglich bildete letzteres bereits denHaupttheil des Heeres. Bei der Aufstellung dieses Heeres stand vorndie leichte Reiterei behufs Aufklärung, dahinter der Marschall mit demConvoi, — dann die berittene königliche Leibwache, Avantgarde, Tross,der König mit der Hauptwache und der Fahne des Königreiches, zu bei-den Seiten der rechte und linke Flügel, und endlich an der Queue dieArrieregarde unter Befehl des Oberfeldherrn (condestabel, connetable).In der Schlacht zwischen Portugiesen und Kastiliern bei Toro (1476) be-fanden sich in der portugiesischen Armee viele Schützen in Panzern undMusketire: von Letzteren waren auch bei den Kastiliern viele.