62 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
und lederne, unten scharfspitzige Schilde, waren mit krummen Säbeln,Bogen und Pfeilen, und langen leichten Wurfspiessen (sagaye) bewaffnetund verhielt sich zu Pferde ganz so, wie es bei den Mauren und Albane-sen (Skipetari) gebräuchlich war.
An schwerer Keiterei besassen die Spanier weit weniger, als dieübrigen westeuropäischen Staaten. In Organisation, Bewaffnung undKampfart glich sie der französischen Ordonnanzcompagnie und wetteifertemit ihr in Kunst des Reitens, der Führung der Waffen und der ritterlichenTapferkeit.
Das Fussvolk hatte von Mitte des 14. bis Ende des 15. Jahrhundertszwar nur eine untergeordnete Bedeutung, dennoch aber eine grössere,als in den andern Staaten West-Europa's (mit Ausnahme von Schweizund Deutschland). Aber die vollkommene Umbildung desselben, sowieder Cavallerie und der gesammten spanischen Armee veranlasste erstFerdinand der Katholische (1474 —1516) und dessen berühmterFeldherr Gonsalvo von Cordova. Der Letztere bildete und organi-sirte (1485) das spanische Fussvolk nach dem Muster des schweizerischenund zum Theil des französichen. Dabei bestimmte er aufs Genaueste dasVerhältniss der mit blanken und der mit Feuerwaffen Ausgerüsteten.Im Jahre 1485 erschien auf den Ebenen von Granada zum ersten Malevor Ferdinand und Isabella die neu formirte spanische Armee, —12000 Mann Reiterei und 20000 Mann Fussvolk, lauter auserlesene Trup-pen, vollständig bewaffnet, mit grossem Geschützpark und voller Aus-rüstung mit allen erforderlichen Kriegsvorräthen. Bei der Eröffnung desFeldzuges von 1486 hatte Ferdinand unter seinem Befehle eine nochstärkere und besser organisirte Armee (allein an Zugpferden und Last-Maulthieren waren 50000 Stück vorhanden). Zu dieser Armee gehörtennicht nur spanische, sondern auch die besten Feldherren, Offiziere undSoldaten aus Italien und Frankreich, angelockt durch die Ehre und denRuhm, unter den Fahnen Ferdinand's zu dienen.
Die vollständigste Ausbildung des spanischen Fussvolks gab Gon-salvo demselben in Italien, als er von Ferdinand mit einem Heerenach Sicilien gesendet wurde. Gonsalvo erwarb dem spanischenFussvolk grossen Ruhm, und würdig bewahrte und verdiente es den-selben auch noch im 17. Jahrhundert. Obgleich anfänglich es sich vonSpanien entfernt, aus Vagabonden und Heimathlosen rekrutirte, sowurden diese doch, in die Cadres der alten spanischen Kerntruppen ein-rangirt, bald zu vortrefflich disziplinirten und tapfem Soldaten. Dasspanische Fussvolk behandelte feindlich nur den Feind, nicht aber diefriedlichen Einwohner. An Massigkeit, Enthaltsamkeit und Ausdauerübertraf es das französische und sogar das schweizerische, in Kriegs-kunst stand es hinter keinem zurück. In Folge dessen konnte es zu