Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 59
8000 Türken in Dienst genommen. In den Kriegen aber gegen die Tür-ken und sogar mit Frankreich nahm sie gern albanische Reiterei an. unterdem Namen Stradioten.
Eigentliche stehende Truppen gab es in Italien nicht, aber die ein-zelnen Fürsten hielten sich ständige Leibwachen oder Garden. So unter-hielt Alexander Medici, welcher i. J. 1532 zum Dogen der RepublikFlorenz gewählt wurde, eine stehende Garde und war stets von Helle-bardisten umgeben. Ganz ebenso unterhielten auch die Päpste eine glän-zende und kostspielige Garde zu Pferde und zu Fuss.
Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts sogar nahm das Fussvolk inItalien immer nur die 2. Stelle nach der Cavallerie ein. Es bestand ausArkebusiren, Musketiren und Pikeniren oder corsaleti (d. h. Gepan-zerte). Bestand und Eintheilung der Compagnien war dieselbe wie inDeutschland; von den Chargirten bei den Compagnien stand der Fahnen-träger (alfiero) im höchsten Ansehn.
In der Republik Venedig wurden die früheren kandiotischen ritter-lichen Lehne zu Pferde und ebenso zu Fuss im Lauf der Zeit allgemeinin ritterliche zu Pferde verwandelt. Zu Ende des 16. Jahrhunderts abergeriethen sie gänzlich in Verfall, und nur für kurze Zeit stellten sie vomJahre 1574 an eine Reitertruppe v<m 1200 Mann, welche beständig ge-übtwurde. **••.
Während aber in ganz Italien die MietuSiruppen eine entschiedeneUeberlegenheit und den Vorrang behaupteten, und nur in Form vonAusnahmen Volksmilizen und schwache Ueberreste.der Lehnstruppenbestanden, besass die Insel Korsica ihr eigenes Volk.aufgebot zu Ver-theidigungszwecken. Wenn Gefahr drohte, so ergriff die gesammte Be-völkerung die Waffen zum allgemeinen Schutze, stellte überall Wachen undPosten aus, sendete Patrouillen und Abtheilungen, bezog Lager in Hütten,verpflegte sich auf eigene Kosten, und vertheidigte nachdrücklich ihre Insel.
Je weniger aber sich die friedlichen Bürger in Italien dem Waffen-dienste widmeten, desto mehr wurde dieser dadurch ein Söldnerlhandwerk,und desto eifriger erlernten die sich demselben Hingebenden das Kriegs-wesen, so dass Italien in dieser Hinsicht seit dem Beginn des 15. Jahr-hunderts lange Zeit als Muster diente und berühmte Kriegsschulen oderAcademien errichtete, in denen viele hervorragende Feldherren ausge-bildet wurden (Sforza, Fortebraccio u. A.).
Das Alles aber vermochte doch den damaligen Hauptmangel derKriegsorganisation in Italien, — die nationale Grundlage — nichtzu verdecken, fremde Soldtruppen konnten nicht ein nationales Heer er-setzen. Diesem Mangel wollte auchMacchiavelli durch die in seinemBuche «Arte della guerra« (1521 erschienen) enthaltenen weisen Maass-regeln abhelfen.