58 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
in der Gefahr des Kampfes von schimpflicher Feigheit, nur für die fried-lichen Einwohner und Bauern furchtbar, welche sie ohne Gewissen undErbarmen brandschatzten. Krieg führten sie nur scheinbar, schlugensich weder Nachts noch zur Winterszeit, befestigten ihre Lager niemals,und machten im Kampfe ihre Gegner nicht nieder, sondern suchten siegefangen zu nehmen, um möglichst reiches Lösegeld zu erpressen u. s. w.Und diese Art schmachvoller Kriegführung wurde von ihnen in dem-selben Italien getrieben, welches einst das Vaterland der alten Römergewesen war!
Da sie es vortheilhafter für sich hielten nur Reiterei zu besitzen, sodrängten sie aus ihrer Mitte das Fussvolk gänzlich heraus. Erst FranzSforza, Herzog von Mailand (1447 — 66). vermochte das italiänischeFussvolk einigermaassen zu heben, das sich jedoch mit dem schweizeri-schen nicht entfernt vergleichen konnte.
Ausser den gemietheten condottieri gab es übrigens noch Volksauf-gebote (milizii) und fremdländische Söldner. Die Bergbewohner der so-genannten sette commune bildeten die Grenzwache der nördlichenvenetianischen Besitzungen und behielten dafür ihre alten Rechte undFreiheiten, waren von jeder Art Unterthanenverband frei, und schütztendie aus Tyrol ins Venetianische führenden Pässe.
In der Republik Florenz bestanden zur Zeit der AnwesenheitKaiTs V. in Italien (1530) die Streitkräfte derselben aus 300 Jünglingender vornehmsten Familien, welche die Wache oder Garde des Hofes bil-deten; aus 16 Bannern oder Abtheilungen Bttrgerwache (etwa 3000 Mann,wovon 1700 Arkebusire und 1000 Pikenire, der Rest Hellebardisten undmit Piken, grossen Schwertern u. s. w. bewaffnete Freiwillige: nur 1000Mann hatten Brustpanzer); — und endlich aus der Landmiliz (Landwehr),welche gut zu schiessen verstand und auch im Frieden einen geringenSold erhielt. Ausserdem waren 500 Mann regulären Miethsfussvolks vor-handen, welche dieser Landmiliz zum Muster dienen sollten.
Bei dem Einzüge Kaisers Friedrich's III. in Rom (1452) be-schlossen 3000 Mann päpstlicher Cavallerie, reich equipirt, und dahinter200 Mann Miethsfussvolk in schönen Rüstungen den Triumphzug.
Auch in Italien, wie in den übrigen Staaten mussten diejenigen,welche die Truppen für sich günstig gestimmt erhalten wollten, noth-wendiger Weise Nachsicht haben mit deren gewaltthätigen Gewohnheiten.So z. B., als Cosimo Medici (1537) durch die Mitwirkung der Truppenzum Herzoge erwählt wurde, erstürmten diese seinen eigenen Palast,plünderten und zerstörten ihn! Das war damals so Sitte und Gebrauch !
Unter den Miethlingen der Republik Venedig befand sich ein Ge-misch von Leuten aller Art. In dem Kriege von 1419 mit Sigismundvon Ungarn in Friaul, Dalmatien und Bosnien hatte diese Republik sogar