Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 57
sie alle zu den Waffen, um ihre Stadt zu schützen, und die einfachenBürger bildeten dann das Fussvolk, das in Conipagnien (cornpania) unterdem Befehl von Capitänen (capitani) und Fähndrichs (Fahnenträger, gon-falonieri) gegliedert war. Der städtische Adel und die jungen arimanibildeten die Beiterei, welche bisweilen noch durch Miethstruppen ver-stärkt wurde. Eine auserlesene Schaar von Beitem und Fussvolk (corn-pania di forti, di gaiardi) bildete die Ehrenwache für die Stadtbanner(caroccio). Oberbefehlshaber der gesammten städtischen Truppen war derälteste oder tapferste Capitän der Stadt (capitano del popolo). unter Mit-hülfe des Hauptfähndiichs (gonfaloniero).
In ähnlicher Weise waren auch die städtischen Truppen der übrigenStädte von Mittel- und Süditalien organisirt. Daneben aber verbreitetesich über ganz Italien mehr und mehr die Gewohnheit, Miethstruppen aufSold zu unterhalten, welche von ihren eigenen Führern geworben undbefehligt wurden, den condottieri (Anführern), und in der Geschichtewegen ihrer Habgier, Verkäuflichkeit, Baubsucht und Feigheit berüchtigtgeworden sind. Man nimmt an, dass diese Schaaren (conduri) oder eigent-lich Banden von Söldnern zuerst in Italien aufgetreten seien zur Zeit desdort von Ludwig dem Bayer, dem deutschen Kaiser, ausgeführtenFeldzugs (1323), und dass einige hundert deutscher Miethlinge den An-fang dazu gemacht haben, welche, als sie ihren Sold nicht erhielten, sichempörten, Lucca plünderten, dann sich in das Gebirge zurückzogen,Zuwachs erhielten von Landstreichern der verschiedensten Abstammung,und sich nun auf Baub verlegten und Italien auf alle Weise beunruhigten.Ihre Zahl vermehrte sich immer mehr, schliesslich bildeten sie unter derBenennung condottieri fast ausschliesslich die gesammte bewaffneteMacht von Italien. Im 14. und 15. Jahrhundert standen mehr oder min-der berühmte Führer an der Spitze dieser Schaaren, wie z.B.: LedrisioVisconti (1339), Werner von Urslingen (1334 — 51), Sir JohnHawkwood (1364), Pandolfo Malatesta, Francesco Carmag-nola, Braccio diMontone, Sforza di Catingola, dessen SohnFrancesco Sforza (welcher Herzog von Mailand wurde), Medici,Cäsar Bor gia, AI viano u.v. A. Es gab deren aber auch Viele, welchenichts anderes waren, als Eäuberhauptleute und nur durch ihre Benenn-ung furchtbar waren: Forte-braccio, Fiera-mosca, Bracciodi ferro u. s. w.
Nach dem Zeugniss eines Zeitgenossen der condottieri, Macchia-velli's, waren deren Haupteigenschaften Barbarei, Habgier, Lüderlichkeit,Gottlosigkeit und Feigheit. Jedem edleren Gefühle von Ehre, Vaterlands-liebe vollkommen fremd, war ihre einzige Triebfeder die abscheulichsteBaubsucht. Sobald Jemand ihnen mehr Geld bot, verriethen sie, die siegemiethet hatten, gingen von einer Seite auf die andere über, und waren,