56 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Aber seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts ging diesem Verrniethenvon Schweizern in fremde Dienste jede Beziehung auf das öffentlicheWohl des Vaterlandes und auf Buhmsucht verloren, es wurde ein Objektgemeinster Habgier, eine einfache Handelsspeculation, bei welcher dieSchweizer nur möglichst viel Geld herauszuschlagen und zu erwinnstensuchten. Zwischen den Cantons entstand eine reine Handelsconcurrenz,wer es dem andern in Aufstellung von Söldlingen zuvor thun könne. DieBreise gingen in die Höhe, wie für eine Waare, die Unternehmer griffenzu Bestechungen u. s. w. Kurz — die ganze Sache nahm einen sehr an-stössigen Charakter an.
Die Tapferkeit aber der schweizerischen Truppen mussten selbstihre Gegner anerkennen. Einer derselben (Birckheimer, 1499) sagt:»man konnte sie todtschlagen, aber nicht gefangen nehmen; dafür gabensie aber auch ihren Feinden keinen Pardon, sondern machten Alles scho-nungslos nieder, was in ihre Hände fiel.« Er rühmt sie auch dafür, dasssie strengste Disziplin, Ordnung und Gehorsam gegen ihre Vorgesetztenübten. Ein andrer Zeitgenosse (Aventin) sagt u. A., dass die SchweizerLob verdienten wegen ihrer Bescheidenheit, Eintracht,' Massigkeit undMannszucht. Alle aber machen ihnen immer den Vorwurf, dass ihnenGeld das Höchste gewesen sei und sie für Geld zu Allem zu haben waren.
§. 110.
In Italien.
In Italien hatten lange vor den übrigen Reichen West-Europa's. schonin der vorhergehenden Periode (815 —1350) die Städte, besonders dieHauptstädte Rom, Venedig, Genua, Pisa, aber auch die andern in derLombardei und im südlichen Italien sich ausserordentlich gehoben undwaren sehr mächtig geworden. Im Bewusstsein ihrer Kraft und in dersteten Erweiterung ihrer Rechte wurden sie die gefährlichsten Feinde fürden feudalritterlichen Adel. Die lombardischen Städte vermochten früherals die andern sich von der Abhängigkeit von den Provinzialbehörden freizu machen, über den benachbarten Adel Triumphe zu erringen, bei sichselbst eine ganz selbstständige Regierung einzusetzen, während der Feh-den zwischen den deutschen Kaisern und den Päpsten, den Zügen derKaiser nach Italien und den Kämpfen zwischen Weifen und Ghibellinen(Weifen und Waiblinger) unter sich einen Bund zu stiften, dessen Hauptdas mächtige Mailand war, und sich fast vollkommen unabhängig zumachen. Ihre Einwohner theilten sich in den höheren und niederen Adel(capitani, cavalieri), die namhafteren Bürger (arimani) und die einfachenBürger, das gemeine Volk (citadini, popolo). Bei äusseren Kriegen griffen