54 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
beschlagen, später wurde sie bedeutend länger; sie wurde mit beidenHänden in der Mitte ergriffen und so geführt. Im Laufe der Zeit fanddas Feuergewehr einen vermehrten Gebrauch.
Vom 2. Viertel des 14. Jahrhunderts an bis zum Ende des 16. Jahr-hunderts besassen die schweizerischen städtischen Truppen viele vor-treffliche Schutzrüstungen: Helm, Brust-, Arm- und Bein - Panzer,hauptsächlich in den vorderen Gliedern, Schilde aber führten sienicht. Vom 16. Jahrhundert an war fast allgemein Helm und Panzerin Gebrauch.
Bisweilen wurden im Felde auch Wagenburgen zum Schutze derTruppen angewendet, sie hatten sogar Geschütze in einigen Feldschlach-ten (so z. B. hatten 1444 die Baseler, als sie nach Laufenburg den Ber-nern zu Hülfe zogen, 7 grosse Büchsen bei sich'.
Die Bewegungen des schweizerischen Fussvolkes wurden im ge-messenen Schritte, bei Trommelschall, in grösster Ordnung ausgeführt.
Die Hauptmasse der Truppen eines einzelnen Cantons stand immerdicht geschlossen, vor ihr wurde das Banner des Cantons getragen.Wenn der Canton nicht alle seine Feldtruppen aufstellte, sondern nureinen Theil derselben, so wurde diesem das Cantonalbanner nicht mitge-geben, dagegen ein kleines Fähnlein. Die Hellebardisten bildeten dieHauptstärke des Banners oder Fähnleins, ihre Kotten stellten sich zu 20Gliedern Tiefe neben einander. Die Fahne war in der Mitte aufgepflanztund von mehreren Rotten der Fahnenwache umringt, von welchen sichrechts und links einige Rotten der hauptsächlichsten Zünfte formirten,und an diese schlössen sich abwechselnd die der Landgemeinden undGilden oder der zuverlässigsten Vogteien und Aemter an, sodass dieLeute aus den Landgemeinden immer in kleinen Abtheilungen zwischenden städtischen standen. Eine Abtheilung Pikenire deckte die Flankender Phalanx, sogar noch am Ende des 15. Jahrhunderts. Daher kannman diese Phalanx von 1200 Hellebardisten und 200 Pikeniren sich sovorstellen, dass sie 60 Rotten Hellebardisten in der Mitte und je 5 RottenPikenire auf den beiden Flanken hatte.
Etwa ] / 4 und darüber von der Mannschaft, die nicht die allgemeiueMasse mit bildete, formirte die Avantgarde vor und die Arrieregarde hin-ter dem Banner. Letztere hatte gewöhnlich die Bestimmung die Fahr-zeuge, den Tross zu schützen, sie bestand deshalb nur aus einem kleineu.Theil von Hellebardisten, Pikeniren und Nichtbewaffneten; in grössererStärke wurde sie nur zu irgend welchen besondern taktischen Unterneh-mungen formirt. Die Avantgarde war zur Eröffnung des Kampfes be-stimmt, weshalb ihr alle Schützen, ein grosser Theil Pikenire und nureinige Hellebardisten zugetheilt wurden. Von diesen hatten die Pikenire,unterstützt durch die Hellebardisten, die Aufgabe die Schützen mit Pan-