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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 53

Letzterer beschlossen hatte, ein allgemeines Kriegsuntemehmen auszu-führen, so musste jedes einzelne der Mitglieder erklären, wie viel Leutees aufstellen und was es sonst auf sich nehmen könne. Deswegen wurdenin den Eeisrodel auch die Unterabtheilungen der Theile und ihre Bewaff-nung eingetragen. Ausserdem aber wurden in den Zünfteu und Gemeindenvon Zeit zu Zeit Listen angefertigt über Zahl und Ort der vorhandenenWaffen, welche besonders wichtig waren für den Fall eines allgemeinenVertheidigungsaufgebotes.

Die städtischen sowohl wie die Landcantons stellten fast ausschliess-lich, oder wenigstens hauptsächlich nur Fussvolk auf. Nur in wenigenOrten vermochten die Zünfte der Junker oder Constabler (der vornehmstenLeute) einige Reiterei zu formiren.

Die Mannschaft der Feldtruppen einer jeden Gemeinde, wenn über10 Mann, theilte sich in Rotten von 612, im Durchschnitt 10 Manngleichmässig Bewaffneter. Die Rotten der Hellebardisten hatten keineandre Waffe als die Hellebarde; Pikenire und Schützen aber waren häufigzu einer Rotte zusammengestellt. Im Allgemeinen wurde daran festgehal-ten, dass jede Zunft oder Gemeinde 1 Rotte Schützen, 1 Rotte Pikenireoder Pikenire und Schützen, und 1 oder mehrere Rotten Hellebardistenaufstellte.

Die Anführer der Rotten hiessen allgemein Hauptmann, und danebenhatte jede Zunft 1 Hauptmann über alle ihre Rotten. Bei den Landge-meinden nahmen die Vögte diese Stelle ein, oder der Amtmann, auchwohl andre von der Stadt dazu bestimmte Personen. Bisweilen gab esauch besondre Hauptleute für jede Waffengattung.

Nach einem Reisrodel der Stadt Zürich vom Jahre 1444 stellte die Stadtins Feld 639 Mann, die Gemeinden 2131 Mann, im Ganzen 2770 Mann,darunter von der Stadt 127 Schützen mit Panzer, 45 Arkebusire (Büchseu-schützen). 103 Pikenire und 364 Hellebardisten, von den Gemeinden331 Schützen mit Panzer, 16 Arkebusire, 546 Pikenire und 1238 Helle-bardisten; im Ganzen also 458 Schützen mit Panzer, 61 Arkebusire,649 Pikenire, 1602 Hellebardisten. Hieraus folgt, dass die Hauptwaffedie Hellebarde war, da die Summe aller andern Waffen zur Summe derHellebardisten sich wie 2 : 3 verhielt; von den blanken Waffen bildetendie Piken mehr als 1 / i . mit Feuerwaffen war nur y 45 des Ganzen ausge-rüstet, und zwar von der Stadt 2 mal so viel als vom Lande.

Die Hellebarden der Schweizer waren am Schaft mit 2 eisernenSchneiden in Form zweier Aexte auf eine Länge von 6 Fuss beschlagen,mit scharfer Spitze vorn und oft noch mit krummen Haken zum Her-unterreissen von Helmen und Panzern versehen, und sie wurden mitbeiden Händen zum Stechen und Hauen gehandhabt. Die Pike war biszum Ende des 15. Jahrhunderts kurz, mit langer und scharfer Spitze