Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 51
dalherrschaften, Städte und Städtebunde getheilt, welche vom deutschenReiche abhingen, demselben aber nur wenig gehorchten, und unter ein-ander uneins waren. Ihre Bewohner zeichneten sich im Allgemeinendurch patriarchalische Einfachheit der Sitten. Liebe zur Freiheit und zumVaterlande, durch kriegerischen Sinn und Muth aus.
Der Anschlag der österreichischen Herzöge aus dem Hause Habs-burg , die 3 sogenannten Waldcantons: IM, Schwyz und Unterwaidenzu unterwerfen, brachte die Einwohner dieser Bezirke unter die Waffen,und wurde Anlass zu einem Kriege, welcher durch die Theimahme derübrigen Städte und Cantons der Schweizer an ihm sich fast 2 Jahrhun-derte fortsetzte (1308 —1499) und damit endete, dass alle schweizerCantons sich die volle und unbedingte Unabhängigkeit mit den Waffeneroberten und dauernd sicherten. Sie begannen diesen Krieg mit sehrgeringen Streitkräften und {Mitteln. Weder Reiterei, noch Schutzwaffenbesitzend, immer numerisch schwächer als ihre Gegner, kämpften sie zuFuss mit Streitkolben und Aexten, ohne besondre regelmässige Formation,aber ausserordentlich geschickt in der Ausnutzung der Oertlichkeit ihresGebirgslandes, und — die Hauptsache — mit aussergewöhnlicher Be-geisterung, Tapferkeit, Muth, Festigkeit und Aufopferung — für ihreFreiheit. Diese Eigenschaften wurden die Ursachen ihrer glänzendenErfolge und ihrer Siege bei Morgarten (1315), Laufen (1339), Sempach(1386), Näfels (1388) und an vielen andern Stellen über die österreichi-schen Feudalritterheere, welche aus schwer bewaffneten Heitern und sehrschlechtem Fussvolke bestanden, und deren Bewaffnung, Formation undKampfweise durchaus nicht den ibnen wenig oder gar nicht bekanntenEigenthümlichkeiten des Gebirgslandes angemessen war.
Diese Erfolge und Siege der Schweizer erhöhten ihr Selbstvertrauenund ihren Muth ausserordentlich, und veranlassten sie sich mit der Ver-vollkommnung ihrer Kriegsorganisation und ihres Heeres zu beschäftigen.Ihre eigene Erfahrung Hess sie das Hauptaugenmerk auf Verbesserungder Bewaffnung, Organisation, Aufstellung und Kampfart ihres Fussvolksrichten. Nachdem sie demselben Helme, Brustpanzer. Schwerter, Dolch-messer, Hellebarden, und als Hauptwaffe 18 Fuss lange Piken gegebenhatten, begannen sie die Schaaren oder Regimenter zu regelrechten For-mationen und Evolutionen zu üben, besonders in der Aktion in grossengeschlossenen Massen (Colonnen), als der wirksamsten gegenüber derschwerbewaffneten ritterlichen Reiterei. Und in ihrem Kriege gegenKarl den Kühnen (1474—78) entwickelte ihr Fussvolk solche Ueber-legenheit über die eben geschilderten burgundischen Heere und über-haupt über die ritterliche Reiterei und erfocht so glänzende Siege (Gran-son, Murten, Nancy), dass sie einerseits ihr Vaterland abermals errettetenund seine Unabhängigkeit befestigten, und andrerseits zum ersten Male
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