50 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
des herzoglichen Namens), die 2. mit zwei K u. s. f. Die Abzeichen derGefreiten (chefs de chamhrees) waren von derselben Farbe mit Nummern.Die Compagniebefehlshaber sollten jährlich einen feierlichen Eid auf dasEvangelium schwören, dass sie dem Herzoge treu und ehrlich dienen,ihm in Allem gehorsam sein wollten, was er persönlich oder durch seineFeldherren beföhle, dass sie den Krieg führen wollten ohne Uebelthat,nur zu Ehren und Nutzen des Herzogs und seines Hauses und zum Scha-den seiner Feinde, Alles bekannt geben wollten, was sie gegen seineEhre und Nutzen gerichtet erführen, sein Land und seine Unterthanengegen Bedrückungen schützen, bei den Kriegern keine Gotteslästerungnoch Fluchen, noch Würfelspiel dulden, richtige Angaben über Stückeund Bestand der Compagnien machen wollten, u. s. w. In gleicherweiseleisteten auch die Vorgesetzten der Abtheilungen der Compagnien ihrenFührern, und die Gefreiten dem ersten von ihnen einen Eid, gehorsamzu sein und ihre Leute im Gehorsam zu erhalten.
Häufige Besichtigungen, kriegerische Spiele und Uebungen, von denburgundischen Truppen im Frieden ausgeführt, und die häufigen Kriegs-züge Karl's des Kühnen trugen zur Vervollkommnung des Heeres imKriegswesen bedeutend bei. Ihre Evolutionen wurden mit musterhafterGenauigkeit ausgeführt; die Reiterei wurde auch im Kampfe* zu Fussund zur Aktion in Linie und Carre geübt, wobei die gensd'arrnes, auf einKnie niedergelassen und die Lanze eingelegt, das 1. Glied, die berittenenSchützen das 2. und 3. Glied bildeten, Schildknappen und Diener diePferde hielten, u. s. w.
Aber bei seinem eigenthümlichen Charakter, von krankhafter Reiz-barkeit, rastloser Thätigkeit, unfähig fremden Rath anzunehmen, umKriegskunst sich nicht kümmernd, unaufhörlich zwischen zornigen Auf-wallungen und gänzlicher Apathie oder Gefühllosigkeit hin und hergeworfen (wie ihn Commines und Bar ante schildern), konnte Karlder Kühne wohl ein Heer formiren und üben, verstand aber nicht ihmMuth, Ausdauer und Ergebenheit gegen ihn "selbst einzuflössen. Diesermoralischen Eigenschaften ermangelnd, übertrafen seine Truppen zwaralle übrigen in Gleichmässigkeit und äusserm Glänze, erfochten jedochim Kriege nur unbedeutende Erfolge und erlitten endlich eine totale undschimpfliche Niederlage durch dieselben Schweizer, aufweiche sie bisdahin mit Verachtung herabgeblickt hatten.
§. 109.
In der Schweiz.
Die Schweiz, zwischen Deutschland, Italien und Frankreich gelegen,war gleich diesen Ländern zu Anfang des 14. Jahrhunderts in viele Feu-