Kriegsvei'fassung und Kriegskunst im Besonderen. 49
Mann Cavallerie nebst 6 Geschützen. Doch ist noch zu erwähnen, dasser sowohl wie der Admiral Coligny einige erhebliche Verbesserungenin der Taktik der französischen Truppen und im Festungskriege einführ-ten. Der frühe Tod des Einen wie des Andern erlaubte ihnen jedochnicht, diese Verbesserungen weiter zu führen.
§. 108.In Burgund.
Dem Beispiele KaiTs VII. in den ersten Anfängen einer Errichtungvon stehenden Heeren folgte der Herzog von Burgund Karl der Kühne(1467—77), indem er in Burgund ein ausgezeichnet organisirtes stehendesHeer schuf. Schon i. J. 1470 besass er einige Miethstruppen, welchejedoch wegen der schlechten Bezahlung nicht immer unter Waffen waren.Im folgenden Jahre schlug er den in Abbeville versammelten Keichs-ständen von Burgund vor, in Erwägung der schwierigen Beziehungen zuFrankreich ein beständiges Gehalt für 800 Mann Schwerbewaffneter mitLanzen auszusetzen. Aber die Stände fürchteten die Gewalt des mäch-tigen Herzogs zu sehr zu stärken und beantragten dagegen nur eineäusserste Abgabe von 120000 Keichsthalern. Karl willigte ein, wussteaber bald diese Abgabe auf 500000 Keichsthaler zu erhöhen, und hattei. J. 1475 bereits 2200 Lanzen (nach Art der französischen lansquenetsoder deutschen Landsknechte). Jede Lanze (bei den Franzosen — gens-d'armes) hatte 1 Waffenträger (Schildknappen, Stallmeister) und 1 Dienerzu Pferde und 8 schwerbewaffnete Diener zu Fuss. Ausserdem waren4000 Schützen vorhanden, von welchen 3000 berittene, 600 Arkebusire,und 600 Artilleristen, im Ganzen 27200 Mann. Dazu kamen noch dieTruppen der städtischen Gemeinden unter ihren Bannern, englische unditaliänische Miethstruppen, und ein zu jener Zeit beispielloser Artillerie-park von 300 Geschützen nebst 200 Pulverwagen.
Unzweifelhaft hatten dem Heere Karl's des Kühnen in seinenEinrichtungen, Waffenarten und sogar den Benennungen der Abtheilungendie Ordonnanzcompagnien Karl's VII. von Frankreich zum Muster ge-dient. Aber zugleich hatte Karl der Kühne die Eintheilung, Marsch-ordnung, Evolutionen, Gehaltssätze, Kegeln der Disziplin, Bestrafungenu. s. w. durch ein i. J. 1473 von ihm erlassenes ausführliches Kriegs-statut festgesetzt, dessen Bestimmungen auf die späteren deutschenKriegsartikel oder Statuten des 16. Jahrhunderts von Einfluss gewesenzu sein scheinen. Nach diesem Statute Karl's des Kühnen theilte sichjede Compagnie des burgundischen Heeres in vier Theile, welche gleich-farbige Fahnen führten, die 1. mit dem Buchstaben K (Anfangsbuchstabe
Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 4