48 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Infanterie aufhalten wollte. Deshalb fochten sie hauptsächlich: zu Pferdein geschlossenen Rotten und Gliedern, — zu Fuss aber in zerstreuterOrdnung in Gräben, hinter Hecken u. s. w. Wenn sie abstiegen, so ban-den sie ihre Pferde mit den Zügeln zusammen und gaben sie dem rechtenund linken Flügelmann der Corporalschaft, welche zu Pferde blieben.Diese neue Art leichter Reiterei war die bemerkenswertheste von allenund erhielt sich seit jener Zeit für immer.
Der Oberbefehlshaber der gesammten leichten Reiterei war derGeneraloberst (colonel-general), sein Gehilfe der mestre de camp.
Aufstellung und Kampfart der Reiterei überhaupt war dieselbe wiebei den Deutschen (siehe unten). Karabines, Argoulets und Albaneseneröffneten das Gefecht in zerstreuter Ordnung, nach Art der Flankeure,mit der Feuerwaffe. Gensd'armes und leicht Berittene, in Escadrons vonverschiedener Tiefe, bildeten die 2. und 3. Linie und führten im geeig-neten Augenblick die Attake aus, nachdem sie gewöhnlich vorher Salvenaus Karabinern und Pistolen auf nahe Entfernungen abgegeben hatten.Um die Linien oder Glieder abzulösen und die vorderen hinter die letztengelangen zu lassen, formirten sich hierbei die Escadrons in Schachbrett-form mit Intervallen zwischen sich. Doch änderte sich diese Normalauf-stellung und Kampfart je nach den Umständen in verschiedenster Weise.
Den besten und Haupttheil der Cavallerie in den französischen Hee-ren jener Zeit bildeten die deutschen Miethsreiter. Stets und überallzeichneten sie sich durch ihre Organisation, Kunst im Reiten und Schie-ssen vom Pferde herunter, durch ihre waghalsige Kühnheit, Tapferkeitin der Schlacht, zugleich aber auch durch ihre Leidenschaft für Wein,Spiel und Plünderung, ihren Ungehorsam und meuterischen Sinn aus,besonders dann, wenn sie nicht in versprochener Weise bezahlt wurden.
Die Artillerie der französischen Armee gerieth zu dieser Zeit schonin Verfall und ging fast gänzlich ein, sodass bisweilen bei den französi-schen Heeren nicht mehr als 4— 8 Geschütze sich befanden. Zu denbereits angegebenen Ursachen für diesen Verfall tot noch die Schwie-rigkeit hinzu, Truppen, welche meistens gemiethet waren, nicht langedienten und dann wieder entlassen wurden, zu Artilleristen auszubilden.Die besten Heerführer sogar hielten deshalb die Artillerie für ein Hinder-niss bei der Feldarmee und nur für den Festungskrieg brauchbar.
In Bezug auf Kriegskunst bieten die Kriege dieser unruhigen Zeitennur wenig des Interessanten. Die Könige von Frankreich konnten mitMühe kaum 10000 Mann Truppen aufbringen, und sogar in den berühm-ten Schlachten Heinrich's IV. bei Coutras, Arques und Ivry befandensich in seinem Heere nicht mehr als 10000 Mann Fussvolk und 6000 Rei-ter. Nach dem Frieden von Vervins (1589) löste dieser Fürst fast seinganzes Heer auf und unterhielt nur noch 7000 Mann Fussvolk und 1500