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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 43

Sie trug wesentlich bei zu den Erfolgen und Siegen der Franzosen inItalien unter Karl VIII. und Ludwig XII. nnd veranlasste die übrigenStaaten Europa's zur Nachahmung.

Aus Faviers' Beschreibung von dem Einzüge der Armee KaiTs VIII.in Rom im Januar 1495 ist ersichtlich, dass sie aus 22000 Mann Fussvolk,0000 Mann Reiterei und 140 Geschützen bestand, welche in folgenderOrdnung marschierten: voran 6000 Mann schweizerische und deutscheSöldner-Infanterie mit Trommelschlag im Gleichschritt, in erstaunlicherOrdnung, eingetheilt in Regimenter zu 1000 Mann (750 Pikenire, 200Hellebardisten, und 50 Arkebusire); dann 5000 Mann vom besten fran-zösischen Fussvolk, Gascogner, mit Bogen und Armbrust; dann diegensd'armes, der beste französische Adel, schwer und reich bewaffnet,auf vorzüglichen Pferden; dann 400 Mann königliche Garde zu Pferde,darunter 100 Mann schottische Bogenschützen, Karl VIII. selbst, undhinter ihm 200 Ritter aus den vornehmsten Adelsfamilien Frankreichs,die Kanonen verschiedensten Kalibers und Namens, die grossen auf Laf-feten, die kleinen auf zweirädrigen Karren, alle mit stattlichen Pferdenbespannt; und endlich die übrigen Truppen an der Queue.

Nach Karl's VIII. Tode (1498) bemühte sich sein Nachfolger Lud-wig XII., um die Vervollkommnung der französischen Armee und be-sonders die Bildung eines guten nationalen Fussvolks. Er stellte einigeRegimenter (bandes) zu 1000 und 2000 Mann zusammen, bewaffnete undorganisirte sie nach Art des deutschen Fussvolks und übertrug den Ober-befehl desselben an Capitäns aus den berühmtesten französischen Ritternund Anführern der deutschen Landsknechte, denen als Gehülfen Lieute-nants, Enseignes (Fähndrich), Sergeants und Caporaux beigegeben wur-den; das leichte Fussvolk bildeten nach wie vor die aventuriers, bekleidetund bewaffnet wie sie wollten, ohne Sold dienend, aber die Fremden wiedie eigenen Ihrigen beraubend. Die schwere Cavallerie, um 5 neueOrdonnanzcompagnien vermehrt, behielt ihre bisherige Verfassung uudenthielt die Blüthe des französichen Adels und Ritterthums. Aber dieArtillerie gerieth nach Karl's VIII. Tode in Verfall, theils wegen derGeringfügigkeit der Staatseinkünfte, theils weil die Ritter sich von der-selben noch fern hielten. In der Schlacht bei Agnadello am 15. April1509 (in Italien), welche viele Chronisten als den Aufang einer neuenKriegskunst bezeichnen, war in der That schon eine regelmässige Ver-wendung der verschiedenen Truppengattungen erkennbar, eine geschickteDisposition und Kampfweise des Linien- wie des leichten Fussvolks, derReiterei und Artillerie in und nach dem Kampfe, dem Terrain und denUmständen angemessen. Die Schlacht bei Ravenna aber, am 15. April1512, ist durch das geschickte Verhalten der Artillerie bemerkenswerth.

Ludwig's XII. Nachfolger Franzi., welcher 1515 den Thron be-