44 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
stieg, zog aus Lyon nach Italien, um das Herzogthum Mailand zu erobern,mit einer Armee, welche von den zeitgenössischen Schriftstellern als diebeste gepriesen wurde, die jemals aus Frankreich über die Alpen nachItalien gegangen sei. Bei ihr befanden sich 26000 niederländische unddeutsche Landsknechte (24000 Pikenire, 2000 Arkebusire, und 200 mitlangen Schwertern Bewaffnete) unter vielen berühmten Capitäns; 6000Mann der (nach der Farbe ihrer Panzer, Fahnen u. s. w.) sogenanntenschwarzen Bande (bände noire) des Grafen Tavannes, aus altenin Kämpfen gestählten, tollkühnen Wagehälsen zusammen gesetzt;10000 Mann französische aventuriers unter Befehl des AdmiralsBonnive;10000 Gascogner, Biscayer und Navarresen unter Don Pedro von Na-varra; 3000 volle Lanzen (15000 Mann) schwere Kelterei und 1500 Mannleichter Beiterei unter Marschall Lautrec; 6 Druschinen Albanesen;die königlichen Leibgarden aus dem vornehmsten Adel; 74 grosse Ge-schütze und 300 Bergkanonen auf Maulthieren; endlich 2500 Pionire,vor der Armee, um die Strassen zu bessern. Die Zusammensetzung dieserArmee aus verschiedenen Völkern, in einer Stärke von 70000 Mann,kann einen Begriff davon geben, wie damals die Heere in Frankreichgebildet wurden. In gleicherweise waren die Heere Franz' I. auchin seinen folgenden Kriegen gegen Karl V. in Italien (1521—1544) zu-sammengesetzt. Nach der für Franz I. unglücklichen Schlacht vonPavia (1525), in welcher er geschlagen und gefangen genommen wurde,und nach seiner 1526 erfolgten Befreiung um den Preis eines für Frank-reich ungünstigen Friedens leuchtete ihm die Notwendigkeit einer Ver-änderung in der Kriegsorganisation Frankreichs und seiner Armee ein.Vor Allem lag ihm die Umbildung seines Fussvolkes am Herzen, und —sonderbar! — trotz der allgemeinen Einführung und Verbreitung derFeuerwaffen, nahm er, der damals herrschenden Vorliebe für das classi-sche Alterthum nachgebend, zum Muster dafür die Organisation desaltrömischen Legions-Fussvolkes! — ein absoluter Widerspruchgegenüber der Feuerwaffe. Im Jahre 1554 bildete er aus dem regulärenfranzösischen Fussvolke 17 Legionen, jede zu 6000 Mann (im Ganzen102000 Mann). Jede Legion hatte ihren besondern Werbebezirk, bestandaus 2000 Arkebusiren, 2000 Pikeniren, 2000 Hellebardisten, und theiltesich in 6 Cohorten oder Bandes jede zu 1000 Mann; sie wurde in tieferMasse aufgestellt. Bei jeder Cohorte oder Bande befanden sich: 1 Capi-tän, 2 Lieutenants, 2 Fähndriche, 10 Centeniers, 6 Sergeants, 40 Cor-porale (caps d'escadres), 4 Tambours und 2 Pfeifer. Der älteste von denCapitäns befehligte die Legion in dem Bange eines Obersten (colonel),falls nicht der König einen andern dazu ernannte. Von den beiden Lieu-tenants bei einer Cohorte befehligte der Eine die Pikenire, der Anderedie Arkebusire und Hellebardisten. Oberbefehlshaber über das gesammte