Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 41
jährlich bezahlte. Das war der erste Anfang des Dienstes von schwei-zerischem Fussvolk in französischem Solde (bis z. J. 1789).
Im Jahre 1481 versammelte Ludwig XI. in einem Uebungslagerbei Pont de 1'Arche unweit Rouen 25000 Mann Franzosen und 6000 Mannschweizerische Truppen und hielt Eevuen, Uebungen und Manöver mitihnen ab, bei denen sich grosse Ordnung, Regelmässigkeit und Pünkt-lichkeit in den Evolutionen, der Haltung und Verfassung dieser Truppenbemerkbar machte.
Nach Abschaffung der freien Schützen und Ersatz derselben durchAventuriers, Entlassung der Lehns- und Communalaufgebote, und Unter-haltung von 6000 Mann schweizerisches Fussvolk hatte Ludwig XL,indem er die Zahl der stehenden Truppen vermehrte und deren Organi-sation vervollkommnete, vor seinem Tode (1483) schon 75000 Mann, undzwar 50000 Mann Fussvolk, 5000 gensd'armes, und 20000 Mann beritteneSchützen beisammen, nebst Schildknappen und Dienern, — eine erheb-liche Vervollkommnung in der Kriegsverfassung Frankreichs und seinerTruppen.
Hinsichtlich der Aufstellung und Kampfart der letzteren ist nur be-kannt, dass das Fussvolk in grossen geschlossenen Haufen (bataillons)oder Colonnen, die gensd'armes wie früher in einer geöffneten Linieformirt waren, hinter letzterer die Waffenträger, Diener und berittenenSchützen in derselben Weise, und dass bei allen Truppen überhaupt dieTheilnng zu 10 angenommen war, d. h. zu 10, 100 u. s. w. Den Ober-befehl über die Truppen führten die 4 capitaines-generaux, unter jedemvon ihnen 10 vicaires oder lieutenants, unter jedem vicaire 10 capitaines,unter jedem von diesen 10 decurionen, und unter jedem von diesen letz-teren 10 gemeine Soldaten. Es waren also im Ganzen 40000 Mann, ge-theilt in 4 Divisionen, jede von 10 Bataillonen (bandes, batailles) ä 10 Com-pagnien oder 1000 Mann, die Compagnie ä 100 Mann, zu 10 Corporal-schaften, — was mit den 6000 Mann schweizerischen Fussvolks und 2500Pionnieren zum Bau von Feldbefestigungen, Strassenverbesserung u. s. w.im Ganzen 50000 Mann ausmachte. Diese waren in bataillons getheilt— wahrscheinlich zu 100 Rotten in Front und 10 Glieder Tiefe. Kleidungund Bewaffnung von Fussvolk und Reiterei waren wie die der gensd'ar-mes und berittenen Schützen unter Karl VII., die aventuriers trugenjaques von gleicher, weiss-rother Farbe.
Die Feuerwaffen kamen zwar schon in der 2. Hälfte des 14. Jahr-hunderts in Gebrauch, waren aber noch sehr unvollkommen und fandenlangsam Verbreitung. Ursprünglich waren die Handfeuerwaffen: Bom-barden, Kanonen, Arquebusen, endlich Musketen noch soschwer und unhandlich zum Gebrauch, dass sie nur wenig Verwendungfanden; die Geschütze dagegen, weit grösser und schwerer, wurden nur