Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 39
wie zur Aufrechthaltung der Ordnung, und zur Kenntlichmachung dererbei, welche etwa Vergehen oder Verbrechen begangen haben konnten.
An Sold erhielt jeder gensd'armes für sich und seine volle Lanzeanfänglich 30 Francs pro Monat, eine für den damaligen Preis derLebensbedürfnisse mehr als ausreichende Summe.
Die Zahl der Capitäns und Compagnien wurde in der Folge durchErrichtung neuer oder Theilung einer in 2 oder 3 Abtheilungen, vonwelchen jede ihren eigenen Capitän hatte, vermehrt. So gab es unterLudwig XII. i. J. 1408 Compagnien von 100, 60, 50, 40, 30, und sogar25 gensd'armes, in Folge der vielen Bewerber um Capitänsstellen.
Die Ordonnanzcompagnien genossen grosses Ansehen und zählten zuden besten ihrer Art in Europa. Keich gekleidet und bewaffnet, auf aus-gezeichneten Pferden, lagen sie in Friedenszeiten beständig kriegerischenUebungen ob und befanden sich überhaupt in vortrefflicher Verfassungbis zur Zeit der inneren Unruhen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts,wo sie in Verfall zu gerathen anfingen.
Das Fussvolk war in Frankreich bis zu Karl VII. nicht sehr zahl-reich und nur wenig werth. Dieser Fürst aber errichtete i. J. 1448 einneues ständiges und regulär organisirtes, ähnlich den Ordonnanzcom-pagnien, da er nicht die Mittel hatte, um dasselbe auf Kosten der Regie-rung zu unterhalten, so setzte er fest, dass jedes Kirchspiel einen der zumKriegsdienste Tauglichsten auswähle, welcher auf die erste Aufforderungmit Armbrust und Bolzen zum Dienste als Schütze zu Fuss zu erscheinenhabe. Diese Leute waren von Abgaben frei und erhielten deshalb dieBenennung Francs archers oder auch francs taupins, die Ge-meinden mussten ihnen ein Haus und ein Stück Landes zum Gemüsebaugeben. Diese Vorrechte bewogen so viele Leute zu den francs archerszu gehen, dass deren Zahl bis auf 16000 Mann anwuchs, welche von 4Generalcapitäns (jeder über 4000 Mann) und 28 Capitäns (je 7unter 1 Generalcapitän) befehligt wurden. Jeder Generalcapitän undCapitän hatte persönlich 500 Schützen unter seinem Befehl. Der Ober-befehlshaber über Alle aber war der grand-maitre des arbaletriers,dem ein Gehülfe, der commandant-general, beigegeben war. Soaber waren die freien Schützen der Eintheilung von Frankreich in 4 grosseund 32 kleine Militärbezirke entsprechend in 4 bandes oder divisionsoder Regimenter zu 8 Compagnien ä 500 Mann getheilt (das Regiment4000 Mann). Die Schützen trugen lederne Halbröcke oder Collets(jaques) mit mehreren Schichten dicker Leinwand gefüttert, Brustschup-penpanzer (brigandines), auf dem Kopfe leichte Helme (salades) und amlinken Arm kleine runde Schilde (rondelles). Bewaffnet waren sie mitlangen Schwertern und zum Theil mit Piken (vouges, guysarmes), zumTheil mit Bogen oder Armbrust nebst Pfeilen (im Köcher, trousse).