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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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38 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Nach eingehenden Berathnngen im Schlosse Serre hei Chälons mit seinenerfahrensten Feldherren erliess Karl VII. i. J. 1445, die nöthigenMaassregeln der Vorsicht gegen Vasallen und Söldner ergreifend, eineVerfügung üher die Bildung von Ordonnanzcompagnien (compag-nies d'ordonnance), welche die erste stehende und regelmässigorganisirte Truppe in Frankreich und in Europa wurden. Nach-dem er persönlich 15 ihm bekannte Capitäns ausgewählt hatte (capitainesordonnes) übertrug er jedem derselben die Bildung einer Compagnie vonEdelleuten zu 100 Mann (gens-d'armes) schwerbewaffneter Reiter mit3 berittenen Schützen (archers ä cheval), 1 Stallmeister (ecuyer, coutillier),und 1 Pagen oder Diener (page, varlet) bei jedem gensd'armes, so dassim Ganzen eine Compagnie 600 Mann stark war, und diese hiess volleLanze (lance fournie ou garnie), und die 15 Compagnien also 9000Mann schwerer Reiterei ausmachten, ungerechnet eine Menge von Perso-nen, welche freiwillig bei den Compagnien dienten und oft deren Kopf-stärke verdoppelten. Zum Unterhalt der Ordonnanzcompagnien wurdeeine besondere Abgabe vom Volke bestimmt (bataille).

Der übrige Adel bildete, wie vordem, das Volks - Aufgebot 1. und2. Klasse (ban et arriere-ban), letzterer wurde jedoch immer seltener ein-berufen und gerieth allmählich ganz ausser Gebrauch. Die Miethstruppenzu Pferde und zu Fuss wurden entlassen, die darin dienenden Fremdenaus Frankreich gewiesen. So begann mit der Errichtung der Ordonnanz-compagnien der Verfall der feudalritterlichen Kriegsverfassung in Frank-reich, welche nun durch eine regelrnässigere und für den Staat bessereEinrichtung stehender Truppen ersetzt wird. Und diese bestand unterKarl VIII. , Ludwig XII. und Franz V. zum Ruhm für den französi-schen Adel und das Ritterthum. Die Prinzen von Geblüt und die vornehm-sten Edclleute suchten ihre Ehre darin, die Ordonnanzcompagnien zu be-fehligen ; alle gens-d'armes, sogar die Schützen, waren Adlige, und dieCompagnien eine Schule ächten Ritterthums. Um die Städte nicht mit derEinquartierung dieser Compagnien zu belasten, wurden diese zu 3040Mann über ganz Frankreich vertheilt, aber stets bereit sich auf ihrenSammelplätzen einzufinden. Es herrschte eine solche Mannszucht inihnen, dass überall die Strassen von Räubern und Beutemachern frei blie-ben, Ackerbau und Gewerbe neu aufblühten > Ruhe und Friede überallherrschte.

In der Folgezeit traten einzelne Veränderungen in der Organisationder Ordonnanzcompagnien ein. Die volle Lanze bestand unter LudwigXI.aus 6, unter Ludwig XII. aus 7, unter Franz I. aus 8 Mann. Jede Com-pagnie hatte ihre besondere Kleidung und ihre für alle Grade derselbenverbindliche Devise. Diese Gleichförmigkeit in jeder Compagnie undVerschiedenheit aller Compagnien trug zur Verschönerung dieser Truppe,