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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. . 37

Kämpfenden u. s. w. angewendet, während Mörser zum Niederwerfender Mauern gebraucht wurden. Erst im 16. Jahrhundert gewannen dieFeuerwaffen das entschiedene Uebergewicht über die alten Wurfma-schinen.

§. 107.In Frankreich.

Während des 100 jährigen Krieges zwischen Frankreich und Englandum den französischen Thron erwies die alte Feudal-Ritter-Kriegs-Ver-fassung Frankreichs aus der Zeit Ludwig's VI. und Philipp August'ssich nicht nur werthloser als die englische, sondern sie gerieth in Folgeder Niederlagen der Franzosen und der Erfolge der Engländer gänzlich inVerfall. Die Herrschaft der letzteren in allen westlichen und südlichenProvinzen Frankreichs und die ausserordentliche Zerrüttung der nörd-lichen und östlichen Provinzen machten eine regelmässige Aushebungder Communaltruppen in letzteren ebenso unmöglich, wie die Verthei-digung Frankreichs durch die unorganisirten und verzagten Volksauf-gebote. Die französische Regierung war daher gezwungen, von Neuemzu Feudal- und Miethstruppen zu greifen. Die ersteren aber, weit mehrvon den Interessen der einzelnen Lehnsherren, als von dem allgemeinenWohle Frankreichs bewegt, trugen zu diesem nicht allein sehr wenig bei,sondern gingen häufig sogar auf die Seite des Feindes über. Und dieMiethstruppen, welche wegen der zerrütteten Finanzen keinen Sold er-hielten, statt Frankreich zu beschützen, plünderten und raubten es aus.

Karl V. dem Weisen (136479) gelang es unter Mitwirkung desconnetable Du-Guesclin für einige Zeit die Kriegsverfassung Frank-reichs wieder leidlich zu ordnen, indem er die unruhigen Vasallen zurRuhe brachte, den grössten Theil der meuterischen und raubsüchtigenMiethstruppen entliess, und nach dem Vorgange der Engländer Bogen-und Armbrustschützen zu Fusse errichtete.

Aber während der 42 unglücklichen Regierungsjahre (13801421)Karl's VI. erneuerte sich die Willkürwirthschaft der Vasallen und dieMeuterei der Söldnertruppen mit noch grösserer Macht; die französischenSchützen und die gemietheten genuesischen Armbrustschützen konntensich ausserdem auch mit den englischen nicht messen.

Die natürliche Folge von dem Allen war, dass während des Kriegesmit den Engländern das Uebergewicht und der Erfolg fast beständig aufSeite der Letzteren lag, welche beinahe auch Frankreich erobert hätten.

Erst nach Beendigung des Krieges gegen diese gelang es dem fran-zösischen Könige K a r 1 VII. (1422 60), wenn auch nicht ohne grosseMühe, die Kriegsorganisation Frankreichs umzuformen und zu verbessern.