Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36 III- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

und endlich den 4. die Befehlshaber der Artillerie, Cavallerie und derGeneral-Capitän des Fussvolks.

An Sold erhielten (i. J. 1557) täglich: der General-Capitän 5 PfundSterling, der General-Lieutenant, Marschall und die Befehlshaber derKeiterei und des Fussvolks je 3 Pfund Sterling, der Commandern- derArtillerie und der Zahlmeister je 1 Pfund Sterling wenigstens, der Pro-foss und der General-Capitän der Pioniere je 1 Pfund Sterling, ein Capi-tän der schweren Reiterei 10 Schilling, der leichten 6, des Fussvolks4 Schilling. Indessen wechselten wie die Benennungen, so auch dieGehaltssätze dieser Chargen sehr häufig.

Früher als in den andern westeuropäischen Staaten traten in Englanddie ersten Spuren einer gleichmässigen Truppenuniformirung hervor. Zuallererst unterschieden sich die Truppen zum Theil durch äussere Ab^-zeichen an den Waffen, zum Theil auch durch Schärpen oder Bänder.Heinrich VIII. setzte noch i. J. 1512 ausdrücklich diese Art von Unter-scheidungszeichen fest, i. J. 1545 einen Halbrock aus dunkelblauemTuch mit rothen Abzeichen und ein Unterkleid (Beinkleid) für den rech-ten Fuss aus rothem, den linken aus blauem Tuche, im Feldzuge abersollte ausserdem Jedermann im Heere ein Bild des St. Georgkreuzes sicht-bar tragen. Der Halbrock der Miethstruppen scheint aus weisser Farbegewesen zu sein. Unter der Königin Elisabeth aber, i. J. 1584, wurdendem Fussvolk dunkelgrüne oder dunkelrothe Collets, der Reiterei rotheMäntel verliehen. In der Folgezeit änderte sich die Bekleidung derTruppen.

Zur Aufrechthaltung der Disziplin und des militärischen Geistes inden Truppen waren schon in früherer Zeit verschiedene Belohnungen undBrstrafungen gebräuchlich. Schon das Kriegsstatut Richard'» II. vomJahre 1386 verhängte sehr ausführlich Bestrafungen für verschiedene mili-tärische Vergehen und Verbrechen. Das Kriegsstatut Heinrich' s VIII. ,zum ersten Male 1524 gedruckt, enthält fast alle die Festsetzungen desStatuts von Richard IL und ausserdem noch andere, den damals vor-gehenden Veränderungen in der Organisation der Truppen entsprechend.

Die Kampfart der Truppen im Gefecht und die Führung des Kriegesglich der im übrigen West-Europa. Die Bogen- und Armbrustschützenspielten dabei die wichtigste Rolle (wie z. B. in den Schlachten bei Poi-tiers 1356 und bei Azincourt 1415, u. s. w.).

Beim Angriff und der Vertheidigung von Festungen waren noch zuEnde des 15. Jahrhunderts die Wurf- und Schleudermaschinen alter Con-struction vielfach im Gebrauche, mehr als die Feuerwaffen. Bei einerBelagerung zur Zeit Richard's III. (148485) wurden noch die frühe-ren Maschinen und Geschütze, auf Rollen bewegliche Thürme mit her-unterzulassenden Brücken, Armbrustfeuer, Holzschilde zum Schutz der