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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. . . 35

reicher, als in den andern Staaten West-Europa's zu jener Zeit. So kamenz. B. bei den Truppen, welche der Graf von Kent i. J. 1492 für Hein-rich VII. aufbrachte, auf 16 Mann schwere Reiterei und 16 beritteneSchützen, 60 Bogenschützen zu Fuss. Später, i. J. 1557 bestand dasRegiment Fussvolk aus 4000 Mann, das Regiment Reiterei aus 1000 Mann.In den Heeren Hein rieh's VIII. und der Königinnen Maria und Elisa-beth gab es noch viele Krieger mit Hellebarden.

Die frühere Bezeichnung der leichten Reiterei hoblers scheintzu Ende der Regierung Heinrich's VIII. und unter der Königin Mariaverschwunden zu sein, die Reiterei theilte sich nun in schwere (Halb-lanzen) und leichte. Seit dem Jahre 1559 geschieht einer neuen Gattungleichter Cavallerie Erwähnung, welche Karabiniers genannt wird.Auch scheint unter der Königin Maria die schwere Reiterei nicht mehrmen at arms, sondern Lanzenreiter oder Pikenire (später Kuirassire)genannt worden zu sein, auch war sie bewaffnet wie die gleichzeitigedeutsche.

Die Pionire wurden nicht aus den Truppen genommen, sondern bil-deten eine besondere Truppengattung für sich, welche für den Bau vonSchanzen ausgerüstet und ausgebildet wurde. Unter Elisabeth wurdendie Verbrecher aus dem Heere zu solcher Art von Erdarbeitern begnadigt.

Die Feuerwaffen verbreiteten sich, wie gesagt, nur langsam, undnoch lange währte der Kampf zwischen Armbrust und Arkebuse. UnterKönigin Maria stand es den Kriegern frei, die eine oder die andere"Waffe nach Belieben zu gebrauchen.

Obgleich die Reiterei sich nach Constablerien theilte, so scheinendoch die Ritter die Offiziersstellen zwischen den constables und denBannerherren oder 2 Constablerien innegehabt zu haben. Die Be-nennung Capitain und Lieutenant scheint nicht vor der Zeit vonHeinrich VII. und VIH. vorzukommen. Im Jahre 1557, unter derKönigin Maria, theilte sich die Reiterei in Hunderte unter Befehl von1 Capitän, 1 Lieutenant und 1 Standartenträger. Die Compagnie Fuss-volk bestand auch aus 100 Mann unter 1 Capitän, 1 Lieutenant und 1Fähndrich oder Fahnenträger.

Unter den höchsten Befehlshaberstellen war die des Marschalls,später Feldzeugmeisters (master of the ordnance), dessen aber erstseit Richard III. Erwähnung geschieht (148485), welcher Alles untersich hatte, was auf Waffen, Ladung, Geschosse u. s. w., Organisationund Verwendung der Artillerie, Ausbildung der Bedienung u. s. w. Be-zug hatte.

Die höchsten Offiziersgrade waren: ursprünglich constable, dannGeneral-Capitän. Nach diesem den 2. Rang bekleidete dessen Ge-hülfe, Generallieutenant. Der Marschall nahm den 3. Rang ein,

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