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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Kriegsverfassung und Kriegskunst im Besonderen. 33

Deshalb mussten alle zum Kriegsdienste Tauglichen, bei Strafe ewigerKnechtschaft, zweimal im Jahre in voller vorschriftsmässiger Ausrüstungzur Musterung bei den besonderen Bezirks-Offizieren (constables) erschei-nen, welche die Geeignetsten zum Dienste heraussuchten Die constablesdes ganzen Königreichs und die Provinzialmarschälle führten die Ober-aufsicht über die genaue Erfüllung dieser Verbindlichkeiten und über dierichtige Unterhaltung der Truppen aus den dafür bestimmten Abgaben.

Die besten der oben genannten Truppen waren die Schützen, welchedie zeitgenössischen Schriftsteller wegen ihrer Kunst im Schiessen, ihrerTapferkeit und Kriegserfahrung rühmen. Sie waren bewaffnet mit 6 Fusslangen Bogen (long bows), mit leichten und schweren Pfeilen, kurzenSchwertern, und trugen leichte Helme, Brustpanzer oder Panzerhemdenund kleine runde Schilde zum Schutz im Handgemenge. Für die ritter-lichen Reiter waren sie besonders gefährlich und furchtbar, indem siezuerst deren Pferde tödteten. Neben ihrer Hauptverwendung als Schützennahmen sie auch am Handgemenge Theil und waren berühmt wegen derPlötzlichkeit, Schnelle und Kraft ihrer Attaken.

Das schwere oder Linien-Fussvolk, dessen Hauptwaffe die Lanzeund lange Messer waren (nach Art der alten römischen kurzen und brei-ten Schwerter) war ziemlich gut organisirt und geschult. Besonders diewallisischen Schaaren standen im Rufe grosser Kühnheit und Tapferkeit.In der allgemeinen Schlachtordnung des Heeres bildete das Fussvolk dasCentrum in Phalanxform, 4, 8 und noch mehr Mann oder Glieder tief.Die Schützen formirten sich in Eggenform (into hearses). Das gesammteFussvolk theilte sich zu 20, 100 und 1000 unter dem Befehl von Zwan-zigern (vintenors), Hunderten (centenors) und Capitains (leaders).

Die ganze Bewaffnung, Aufstellung und Kampfart der schwerenritterlichen Reiterei (knights, bachelors, men at arms) war dieselbe wiein ganz Westeuropa. Die leichte Reiterei (hoblers, mounted bow-men)auf kleinen schnellen und unermüdlichen Pferden focht zu Pferde wie zuFuss, leistete grosse Dienste in allen Kriegen und Feldzügen der Eng-länder, zeichnete sich aber durch Raubsucht und Grausamkeit aus.

Zu diesen Vorzügen der Organisation und Kriegstüchtigkeit der eng-lischen Truppen trat noch die Ordnung ihrer innern Verfassung, durchKriegs - Statuten geregelt (namentlich durch Eduard III. und Hein-rich V.). Die militärische Disziplin wurde strenge gehandhabt; Alle,vom Höchsten bis zum Geringsten, erhielten von der Regierung ihr Ge-halt auf 3 Monate voraus; zu dem Heere gehörten eine bestimmte Anzahlvon Geistlichen, Aerzten, verschiedene Intendanturbeamte, militärischeHandwerker u. s. w., ferner Leder-Pontons für Flussübergänge, sowiealle Arten von Wurf- und sonstigen Kriegsmaschinen zur Belagerungvon Städten.

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte II. 2. 3