Kriegsorganisation und Kriegskunst überhaupt. 29
Tenailles u. s. w.). detachirten Werken und Forts, mit der Festung durchLaufgräben verbunden (welche später in Contre-approchen verwandeltwurden), und endlich durch innere Werke von verschiedener Form undArt, um die Festung auch nach Verlust des Hauptwalls noch vertheidigenund behaupten zu können.
All diese Vervollkommnungen, die grosse Anzahl von Festungen inden Niederlanden, die häufigen Belagerungen, die Ausdauer und Kunst,welche bei den Belagerungen wie bei den Vertheidigungen aufgebotenwurde, verursachten eine Menge von wichtigen Verbesserungen, welchewährend des niederländischen Krieges für den Belagerer wie für denVertheidiger eingeführt wurden. Eine regelmässige Belagerung zog sichsehr in die Länge, denn auf beiden Seiten wurde die gleiche Kunst auf-gewendet und war Ausdauer und Erbitterung, dem Charakter des Kriegesgemäss, gleich gross. Die Trancheen wurden in Kanonenschussweite er-öffnet und im Zickzack geführt; oft ging man direkt auf die Festung losmit bedeckten Trancheen (der späteren gedeckten Sappe). Parallelenwurden noch nicht gebaut, statt dessen aber Brustwehren auf bestimmtenEntfernungen, zur Deckung der Truppen. Um solche Festungen, welchean Flüssen oder am Meeresufer lagen, fester einzuschliessen, wurdenDämme verschiedener Art, und über die Flüsse Brücken gebaut mitSchanzen und Batterien. Mit Ausnahme der Breschebatterien überhöhtenalle andern den Hauptwall. Auf dem Meere und den Flüssen wurdengrosse schwimmende Batterien erbaut. Von allen Batterien wurde einäusserst lebhaftes und für damalige Zeit schnelles Feuer unterhalten.
Auch der Gebrauch der flüchtigen Sappe, wie der Blenden, Faschi-nen, Sandsäcke u. s. w. beginnt in dieser Zeit. Um beobachten zu können,was in der Festung geschah, wurden sehr hohe Thürme oder Warteneonstruirt. Zum Grabenübergange wendete man Mengen von Faschinen,Balken, Brücken, Sanibuken (Brücken auf Flossen oder Pontons) u. s.w.an. Für den Sturm gegen die Bresche wurden Freiwillige aus allen Trup-pen vorgerufen, welche man zu besondern Abtheilungen oder Bataillonenvereinigte.
Der Vertheidiger machte Ausfälle, feuerte lebhaft, führte Contre-Approchen, zog auf dem Hauptwall Traversen, in den Bastionen Ab-schnitte und Holzcaponnieren, legte Schleusen an, um den Wallgrabenkünstlich unter Wasser zu setzen u. s. w.
Minenarbeiten wurden sehr häufig ausgeführt und wesentlich ver-vollkommnet.
Gegen Ende des niederländischen Krieges machte man nach Ein-nahme der Festung die Garnison häufiger kriegsgefangen, um dafür Löse-geld einzunehmen. Die Einwohner wurden im Allgemeinen jetzt aberweniger grausam behandelt, als früher.